Bewerbungsverfahren
Bereits bei meiner ersten Kontaktaufnahme im Februar mit der dänischen Gasthochschule war mir klar, dass der Aufenthalt in Esbjerg in Dänemark nur gut werden kann. Ich war begeistert von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mir entgegengebracht wurde. Da ich Freunde und Bekannte in Dänemark habe und aus dem Grunde schon etwas Dänisch sprach, erfolgte der Schriftwechsel auf Dänisch. Liselotte, die Managerin des International Office an der Business Academy West war überrascht und erfreut zugleich, dass ich als Deutscher ihre Sprache spreche. Sie sandte mir alle wichtigen Informationen zu und half mir auch hervorragend bei der Wohnungssuche.
Zu der Wohnungssuche sei zu sagen, dass die Schule mit einer Wohnungsvermittlung zusammenarbeitet. Der Name dieser Einrichtung ist „ungdomsbo“ was soviel wie „junges Wohnen“ heißt. Sie ist im gesamten Dänemark tätig und hat überall, auch in Esbjerg, Büros.
Die Business School hält derzeit ein Angebot von vier verschiedenen Wohnungstypen vor, welche sie in einem gewissen Kontingent gemeinsam mit zwei benachbarten Universitäten ständig angemietet hat. Die Unterkünfte variieren von Einzelwohnungen bis zu kleineren Haushälften, die von vier Leuten gemeinsam bewohnt werden.
Geografie/ Facts
Esbjerg liegt in Westjütland, dem Festland Dänemarks, etwa 150 km hinter der Grenze und gilt mit 83.000 Einwohnern als jüngste Großstadt des Landes. Wegen des großen Angebots an Hochschulen in den verschiedensten Bereichen wird die Stadt an der Nordsee auch als Studentenstadt bezeichnet. Die längste Fußgängerzone Dänemarks findet außerdem hier ihren Sitz. Esbjerg hat aber auch ein reiches Angebot an Bars, Parks, Museen und Sportmöglichkeiten. Esbjerg ist geprägt durch die Fischindustrie. Mit der Fähre sind Überfahrten zur benachbarten Insel Fanø oder ins englische Harwich möglich. Weiterhin gibt es einen Bahnhof sowie einen Flughafen.
Ankunft/ Unterkunft
Als ich am Abend des 26. August 2006 an meiner vorübergehenden Hochschule in Esbjerg mit dem Auto ankam, rief ich vereinbarungsgemäß Liselotte an, die mich kurze Zeit später von dort abholte um mit mir gemeinsam zu meiner Unterkunft zu fahren. Bis zu meinem neuen Zuhause war es im Vergleich zu den anderen Wohnheimen der weiteste Weg zur Schule. Schlüssel und Mietvertrag bekam ich vor Ort von Liselotte. In meiner Unterkunft, eine Doppelhaushälfte für vier Studenten, erhielt ich des Weiteren von ihr eine Aktentasche sowie ein T-Shirt mit dem Logo der Hochschule als auch etwas zu Trinken, ein Kartenspiel, ein Legopäckchen, Stundenplan und eine Chipkarte zum Zugang zur Schule rund um die Uhr.
In unserem Haus waren wir vorerst nur zu zweit. Neben den vier möblierten Zimmern gab es zwei Duschbäder und eine geräumige Küche mit Sitzecke. Die Zimmer sind jeweils auf zwei Ebenen. In der Küche hat jeder Bewohner einen abschließbaren Kühlschrank als auch einen eigenen Regalschrank. Vor dem Haus gibt es einen Fahrradschuppen. Den Rest des Abends und den Sonntag verbrachte ich mit dem Einräumen der Schränke, einem Strandspaziergang und einer ersten Besichtigung der Stadt.
Erste Woche
Am Montagmorgen um 9.00 Uhr trafen sich alle ausländischen Studenten in einem Klassenraum der Schule zur Begrüßung. Uns wurden zunächst die Schule gezeigt und unsere Dozenten vorgestellt, bevor wir dann mit Liselotte in die Stadt zum Rundgang, der Besichtigung der Bibliothek und einem abschließenden Mittagessen eingeladen wurden. Wir waren insgesamt sieben Austauschstudenten, die in zwei Klassen aufgeteilt wurden.
Am zweiten Tag ging es dann per Zug nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks zum Staatsamt um uns dort registrieren zu lassen. Anschließend zogen wir durch den mittelalterlichen Stadtkern mit Dom, Marktplatz und malerischen Fachwerkhäusern und bestiegen den Glockenturm des Doms um das Stadtbild auch aus der Luft einmal zu sehen.
Am Mittwoch, 30.August war dann offizieller Semesterbeginn. Meine Zenturie mit einem Abschluss zum Marketingökonom nach vier Semestern bestand aus 16 Studies aus 11 verschiedenen Ländern. Wir kamen aus Polen, Ungarn, Slowakei, China, Saudi-Arabien, Uganda, Sudan, Island, Kanada, Dänemark und Deutschland. Nach dem gegenseitigen Kennenlernen und der ersten Gruppenaufgabe, für die wir eine Woche Zeit hatten, stand am Freitag der „Sportsday“ auf dem Programm. In Klassenteams traten wir in Fußball oder Rundball, einer dänischen Auslegung von Baseball, gegeneinander an. Abends fand ein Dinner mit anschließender Party statt. Auch hierfür brauchten wir Gaststudenten nichts bezahlen.
Studieren in Esbjerg
Die Einstellung der Dänen zum Lernen und Arbeiten ist im Vergleich zur Deutschen völlig unterschiedlich. Viele üben vor oder nach den Vorlesungen, die eigentlich eher Unterricht sind, einen Job aus. Die soziale Absicherung wird weitestgehend aus Steuern finanziert und die Arbeitslosenquote liegt nur bei 3,5 %.
Das Verhältnis zu den Dozenten, die alle mit Vornamen angesprochen werden, ist hervorragend. Sie sparen sich Schlips und Kragen und tragen stattdessen T-Shirts und Pullover. Auch auf Titel legen sie keinen Wert. Die Atmosphäre an der Hochschule hätte nicht besser sein können.
In den Vorlesungen als auch zu Hause war so manche Gruppenarbeit oder Präsentation vorzubereiten. Wenn es bisweilen auch etwas anstrengend war diese Vielzahl von Aufgaben anzufertigen, half es bei dem Vermitteln und Verstehen des Stoffes jedoch ungemein. Themenbereiche wurden von uns Studies vorbereitet um sie anschließend unseren Kommilitonen zu vermitteln. Die Auseinandersetzung mit Problemen und Zusammenhängen war daher viel intensiver.
Klausuren werden am Ende des Semesters geschrieben. Zudem erfolgen in der gesamten Studienzeit von zwei Jahren vier Projekte, wovon die ersten beiden im ersten Semester anzufertigen sind. In den Projekten sind Bereiche aus verschiedenen Fächern zu bearbeiten und anzuwenden. Sie enden mit einer Projektvorstellung vor Kommilitonen sowie einer weiteren vor Dozenten. Einige Dozenten lassen während des Semesters Tests zur Leistungskontrolle schreiben, die allerdings nicht in die Note einfließen. Das dänische Notensystem beginnt bei 00=6 und geht bis 13=1+ wobei die Noten 1,2,4 und 12 nicht existieren. Mit dem Jahreswechsel 2006/ 2007 wird jedoch ein neues System eingeführt.
Sehr gut haben mir die von der Schule organisierten Unternehmensbesichtigungen gefallen. Hier wurden am reellen Beispiel Inhalte und ihr Wirken beschrieben und erläutert. In meiner Studienzeit in Dänemark besuchten wir zwei Betriebe. Der erste Ausflug ging ins Mehl verarbeitende Gewerbe eines in Esbjerg ansässigen Betriebes mit schwedischem Mutterkonzern. Der zweite erfolgte dann zu „Viking“, einem der weltweit führenden Hersteller von Sicherheitssystemen für die Seefahrt (Überlebensausrüstungen für Passagier- und Frachtschiffe, Offshore-Anlagen, für die Streitkräfte, Fischereifahrzeuge und Yachten sowie Brandschutzkleidung für Feuerwehren).
Leben in Esbjerg
Esbjerg hält ein umfangreiches Angebot an Freizeitmöglichkeiten vor. Wer den Sport liebt, kommt hier mit dem Erlebnisbad, einer Eishalle, einer Go Cart Bahn, dem Meer und div. Sporthallen und –plätzen voll auf seine Kosten. Radfahren und Laufen wird im ganzen Land groß geschrieben. Verschiedene Museen und Parks laden ebenfalls zum Besuch ein. Das Musikhaus mit Ausstellungen, Messen, Konzerten und Musicals und der dahinter liegende Stadtpark mit seiner Bühne runden das kulturelle Angebot ebenso wie auch das „Tobakken“, dänemarks zweitgrößter „Musikschuppen“ mit ca. 200 Veranstaltungen pro Jahr ab. Ferner gibt es im Zentrum von Esbjerg eine große Auswahl an Bars und Cafés.
Die Diskotheken in Dänemark würden wir vielleicht eher als Musikkneipe bezeichnen. Es sind fast normale Bars. Der Platz ist oft sehr beschränkt, dafür ist die Stimmung aber umso genialer. Völlig fremde Leute sprechen einen an, geben einen aus und freuen sich richtig Party zu machen. Da die einzelne Location nicht allzu groß ist, gibt es gleich mehrere der Art in der Stadt, in denen bis 24 Uhr freier Eintritt gilt.
Neben der Bibliothek im Stadtkern befindet sich das Studentenhaus, das abends zum Treff und zur allgemeinen Information oder zum Erfahrungsaustausch einlädt. Von hier werden ebenfalls Aktivitäten, wie z.B. der für alle Studenten der Stadt organisierte „Pub Crawl“ bei dem sämtliche Kneipen zu Freigetränken einluden, angeboten.
Zusammenfassung
Es ist eine große Erfahrung für mich gewesen mit so grundverschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten und zu leben. Es ist mir ein wichtiger Abschnitt meines Lebens, an den ich mich sicher noch lange zurückerinnern werde. Die Atmosphäre an der Business Academy West war für mich sehr beeindruckend und ich blicke gerne zurück auf meine Zeit als Student in unserem nördlichen Nachbarland. Nette Kommilitonen und Dozenten sowie ein wunderbarer Spätsommer bei diversen Freizeitmöglichkeiten ließen mein fünftes Semester zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.
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