1 Einleitung
Estland – Wenn immer ich das Ziel meines geplanten Auslandsaufenthaltes nur erwähnte, erntete ich verwunderte Blicke. Die Reaktionen reichten von „Was willst Du denn in Russland“ bis „Wow, spannend, da wollte ich auch schon immer mal hin“. Davon habe ich mich natürlich nicht abschrecken lassen und habe den „Tigerstaat“ einmal in 4 Wochen genauer unter die Lupe genommen.
2 Vorbereitungen
2.1 Versicherungen
Außer einer Auslandskrankenversicherung waren keiner weitern Versicherungen nötig. Angebote gibt es hier für bei diversen Krankenkassen und ich persönlich habe mich für ein Angebot der DKV (Deutsche Kranken Versicherung) für etwa 12 € pro Monat entschieden.
2.2 Visum (Beantragungsdauer, -ort)
Da Estland am 01.05.2004 der Europäischen Union beigetreten ist, wird natürlich kein Visum benötigt. Die Einreise erfolgt problemlos mit dem Personalausweis. Wenn man allerdings länger als 3 Monate in dem Land bleiben möchte, ist eine Aufenthaltsgenehmigung nötig. Diese wird beim Migrationsamt beantragt und es müssen eine Kopie des Reisepasses, der Auslandskrankenversicherung, ein Passbild und 100 EEK(~ 8 €) bezahlt werden. Es dauert dann drei Monate, bis man sich dann eine schicke ID-Card in der Bankfiliale seiner Wahl abholen kann. Dieses war bei mir 3 Tage vor meinem Abflug und ich bin auch prima ohne diese Karte ausgekommen, so dass ich jedem empfehlen würde, darauf zu verzichten diese zu beantragen.
2.3 Gepäck (Hinweise auf Wetter)
Durch die von den Fluggesellschaften vorgegebenen 20 Kilos ist man natürlich recht eingeschränkt. Man sollte sich aber dessen bewusst sein, dass es im zur Anreise im September oder Oktober noch beinahe sommerlich warm ist, während es im Dezember dann Schnee und fast durchgehend Minusgrade gibt. So kommt man wohl kaum daran vorbei, ein Paket zu schicken, was etwa 2-3 Wochen unterwegs ist oder seine Besucher so geschickt über die ganze Zeit zu verteilen, dass diese Teile des Klamottentransportes übernehmen können.
Für besonders wichtig halte ich eine dicke Jacke und gute Schuhe für den Winter.
2.4 Anreise (Flugzeug, Auto, Bahn, etc)
Flugzeug: Estonian Air (http://www.estonian-air.ee) fliegt zurzeit 3-mal pro Woche direkt von Hamburg nach Tallinn und bei frühzeitiger Buchung zahlt man für den einfachen Flug 60 €. Schiff: Von Rostock nach Tallinn fährt im Sommer auch eine Fähre. Dieses hat den Vorteil, dass mehr Gepäck mitgenommen werden kann und ggf. auch ein Auto. Die Preise sind sogar noch günstiger als die von Estonian Air, doch fahren die Fähren nur bis Ende März. Alle Informationen findet man auf der Homepage von Silja Lines (http://www.silja.fi/?ChangeLang=english).
2.5 Sprachkurs
Bereits vor dem eigenen Semesterbeginn besuchte ich einen Sprachkurs in Estland. Diesen Kurs wurde von Erasmus organisiert und ich möchte ihm jedem empfehlen. Alle Vorlesungen an der EBS, die man als Austauschstudent besuchen kann, werden zwar in Englisch gehalten und auch sonst kommt man mit Englisch überall bestens zurecht, doch ein wenig Brocken Estnisch schaden natürlich nie. Außerdem ist der Kurs eine tolle Gelegenheit, andere internationale Studenten von anderen Universitäten als der EBS kennen zu lernen. Als letztes Argument sollte man vielleicht noch erwähnen, dass der Kurs in Pärnu, Estlands Sommerhauptstadt stattfindet, so dass auch noch der eine oder andere Strandbesuch möglich ist....
Alle Informationen zu diesem Sprachkurs gibt es bei Archimedes/Socrates.
(http://www.socrates.ee/en/eilc.html)
3 Unterkunft und Verpflegung
3.1 Unterkunft (verschiedene Möglichkeiten mit Wertung)
Da die EBS kein eigenes Wohnheim besitzt, wohnen alle Internationalen Studenten in 2-3er WGs in der Nähe der Altstadt und der Uni. Der Preis liegt etwa bei 200 – 230 € pro Person. Die Wohnungen sind einfach aber gut eingerichtet und ich konnte dort prima leben. Meiner Meinung nach sollte man bei der Anmeldung angeben, dass man gerne in einer internationalen WG leben möchte, da bei den vielen Deutschen in Estland sonst häufig nur mit deutschen zusammen wohnt.
Vermittelt werden die Wohnungen über die Uni. Man kann aber auch ohne sich zuvor eine Wohnung organisiert zu haben anreisen und dann über eine der zahlreichen Vermittlungsagenturen eine Wohnung suchen. Da fast alle Wohnungen in Estland komplett möbliert werden, ist das eigentlich kein größeres Problem.
3.2 Verpflegung (Kosten)
Die Preise in den Supermärkten lassen sich durchaus mit den deutschen Preisen vergleichen.
Deutlich preiswerter ist es aber Essen zu gehen. Für etwa 8 € bekommt man ein leckeres Essen mit Getränk in einem der Restaurants im Stadtzentrum.
4 Hochschule
4.1 Einschreibung
Nachdem man in Estland angekommen ist, sollte man in den ersten Tagen einmal bei der EBS vorbeischauen und sich bei dem „International Koordinator“ melden. Dieser informiert einen dann über die anstehenden Infoveranstaltungen und über aktuelle Änderungen im Stundenplan. Bei 30 - 40 Internationalen Studenten pro Semester ist das ganze sehr übersichtlich und persönlich und das ganze Personal der EBS ist sehr bemüht, es den ausländischen Studenten so angenehm wie möglich zu machen.
4.2 Belegung von Lehrveranstaltungen
Bereits etwa 2-3 Monate vor Semesterbeginn werden die Stundenpläne der EBS im Internet veröffentlich. Da sich das Studium wie an der Nordakademie in einzelne Klassen bzw. Jahrgänge aufteilt ist die Auswahl recht kompliziert, da man kaum alle seine Kurse aus einem Jahrgang zusammenbekommt. Am besten sucht man sich seine zwei oder drei Lieblingskurse aus und richtet sich bei der Auswahl der übrigen nach diesen. Da viele Kurse im Blockunterricht angeboten werden, lassen sich einzelne Überschneidungen aber kaum vermeiden.
4.3 Empfehlenswerte Lehrveranstaltungen
Mein Lieblingskurs an der EBS war International Business. Dieses Fach wurde bei mir von einem renommierten amerikanischen Professor gelesen, der den Stoff wirklich sehr ansprechend und praxisrelevant rüber gebracht hat.
Ebenfalls gut gefallen hat mir der Kurs Business Law, der sich allerdings nicht an der Nordakademie anrechnen lassen lässt.
4.4 Nicht zu empfehlende Lehrveranstaltungen
Ich habe den „Fehler“ gemacht und neben International Business auch noch International Management gewählt. Der zweite Kurs enthielt aber keine Inhalte, die über den ersten hinausgingen, so dass er recht langweilig war.
4.5 Bibliothek
Alle Bücher sind an der EBS in Klassenstärke vorhanden, so dass kein einzelnes Buch gekauft werden muss. Auch die Bibliothek ist recht gut ausgestattet, so dass dort alle Standardwerke gefunden werden können.
4.6 EDV –Anlagen (Internet)
Nach estnischem Recht ist jedem Bürger freier Internetzugang zu gewähren, was sich auch an der EBS bemerkbar macht. Die Computerräume können es durchaus mit denen der Nak aufnehmen. In den Pausen ist es zwar etwas voll, aber abends oder während den Stunden findet man immer einen Platz. Außerdem kann man im ganzen Gebäude auch mit seinem Notebook per WLan ins Internet.
4.7 Mensa
Die Mensa der EBS bietet Essen zu einem vernünftigen Preis. Ich fand das Essen allerdings immer eintönig, da es immer dasselbe gab, doch wenn man nur ab und an dort isst, passt es schon. Außer der Mensa gibt es aber noch eine Cafeteria, die den ganzen Tag über leckere kleine Snacks verkauft.
4.8 Sport und andere Freizeitangebote
Die EBS bietet eine Reihe von Sportmöglichkeiten. Neben regelmäßig stattfindenden Bowling-Turnieren gibt es Rabatte für das Fitnessstudio und auch von dem Erasmus Student Network (http://www.esn.ee/tallinn/index.html) werden regelmäßig Freizeitangebote angeboten.
4.9 Studentenrabatte
Die ISIC Karte ist in Estland Gold Wert. Sogar in einigen Supermärkten gibt es Rabatte und für den ÖPNV zahlt man z.B. nur 33% des normalen Preises. Wer die Karte noch nicht hat, sollte sich diese gleich am ersten Tag an der Uni abholen, da sie dort billiger als an der Nak ist und innerhalb von zwei Tagen ausgestellt wird und nicht in 4 Wochen wie hier in Elmshorn.
5 Kontaktmöglichkeiten
5.1 Innerhalb der Hochschule
Bei den unzähligen Erasmusveranstaltungen, die von der EBS angeboten werden, kommt man nicht darum herum andere Leute kennen zu lernen. Spätestens nach einer Woche ist das Handy voll von neuen Nummern und piept ständig. Durch die vielen Gruppenarbeiten lernt man auch schnell seine einheimischen Kursteilnehmer kennen, so dass auch der Kontakt zu einheimischen sichergestellt ist.
5.2 Außerhalb der Hochschule
Durch Veranstaltungen des oben erwähnten Erasmus Student Network lernt man schnell internationale Studenten von anderen Hochschulen kennen.
6 Was man gesehen und getan haben sollte
Da Estland wirklich nicht groß ist, lässt sich in Tagesausflügen eigentlich das ganze Lang erkunden. Ich denke, dass man Tartu, Narva und Pärnu(im Sommer) gesehen haben müsste, aber auch viele der anderen kleinen Städte haben ihren Reiz. Für das Wochenende sind Touren nach Riga, Helsinki und St. Petersburg ein muss. Alles lässt sich relativ günstig per Bus oder Fähre erreichen und auch die Unterkünfte vor Ort lassen sich bezahlen.
6.1 Öffentliche Verkehrsmittel
Das Tallinner Verkehrsmittelnetz ist sehr gut. Für 30 Cent kommt man überall schnell und einfach hin. Und ab 24 Uhr muss man halt ein Taxi nehmen, was einen für höchstes 10 Euro überall hinfährt. Wenn man dem Taxifahrer sein Fahrziel auf estnisch sagen kann, gibt das meistens noch einen kräftigen Rabatt.
6.2 Fortbewegungsmöglichkeiten innerhalb des Landes
Das verbreiteste Verkehrsmittel in Estland ist der Bus. So fährt zum Beispiel nach Tartu alle halbe Stunde ein Bus und diese Verbindungen sind günstig und schnell. Denkt an das Vorzeigen der ISICKarte, die etwa 20% Rabatt bring.
7 Sonstiges
Fotos findet Ihr bis auf weiteres auf http://www.pilt.ee/godevilgo
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