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Saint-Nazaire - IUT de Saint-Nazaire - 2006

Erfahrungsberichte von Studierenden, die in Frankreich ihr Auslandssemester absolviert haben

Saint-Nazaire - IUT de Saint-Nazaire - 2006

Beitragvon Adam Dubielecki am Do 28. Feb 2008, 13:47

"Dieser Erfahrungsbericht wurde von einem FH Nordakademie Studenten geschrieben. Es handelt sich bei diesem Bericht um eine Partnerhochschule. Somit sind die Infos zum Bewerbungsverfahren evtl. irrelevant."
IUT - Institut Universitaire de Technologie
de Saint-Nazaire
Université de Nantes



1. Vorbereitungen
Die Vorbereitungen für das Auslandssemester in Frankreich begannen ca. 9 Monate bevor es losgehen sollte, also etwa Anfang des Jahres. Zuvor hatte es einige Informations-Veranstaltungen der Nordakademie gegeben, mit deren Hilfe das vielfältige Angebot etwas eingeschränkt werden konnte. Um das in den letzten Jahren etwas vernachlässigte Französisch wieder aufzufrischen, stand die Entscheidung pro Frankreich, trotz verlockender Angebote aus aller Welt, recht schnell fest. Es ging nun vielmehr darum, sich innerhalb Frankreichs zwischen dem Elsass, Toulouse, Paris und Saint-Nazaire zu entscheiden. Insbesondere die Lage abseits des internationalen Treibens von Paris und des sehr deutsch geprägten Elsass sprach letztlich für die Bretagne.

1.1. Das Bewerbungsverfahren
Das IUT (Institut Universitaire de Technologie) de Saint-Nazaire ist Partnerhochschule der Nordakademie und darüber hinaus Uni im europäischen Austauschprogramm Erasmus/ Sokrates. Somit waren zum einen Lebenslauf und Anschreiben – und zum anderen eine standardisierte Erasmus/ Sokrates-Annahmeerklärung erforderlich, die nach Absprache mit dem Auslandsreferat der Nordakademie, direkt der Ansprechpartnerin der Gasthochschule zugesendet wurde. Jedes Jahr stehen hier etwa 5-6 Studienplätze ausländischen Studierenden zur Verfügung und erfahrungsgemäß wird das Kontingent von Seiten der Nordakademie regelmäßig voll ausgeschöpft, so auch in 2006. Vor Ort war lediglich noch die formelle Immatrikulation erforderlich, insbesondere auch da diese Voraussetzung war für den Zugang zum Wifi (WLan).


1.2. Die Wohnungssuche
Die Wohnungssuche gestaltete sich zunächst etwas schwierig und war trotz rechtzeitiger Bemühungen auch erst wenige Tage vor der Abfahrt abschließend geklärt. Da es nicht empfehlenswert ist, direkt in Saint-Nazaire zu wohnen (insb. wegen des vergleichsweise längeren Anfahrtsweges), standen die küstennahen Orte Pornichet, La Baule und Saint-Marc sur Mer zur Auswahl. Insbesondere La Baule und Pornichet zählen zu den beliebten Ferienzielen Frankreichs und dienen als Wochenend-Domizile für viele Pariser. So besitzt Pornichet als einer der wenigen Orte in Frankreich eine direkte TGV-Schnellzug-Verbindung nach Paris, die entsprechend gut frequentiert ist. Ansonsten ist das Bild geprägt durch Hotel- und Apartmentbauten, die gerade in der Nebensaison zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten bieten.
Die Fahrtzeit zur IUT beträgt mit dem PKW von hier aus 10-15 Minuten. Etwas problematisch ist die Kontaktaufnahme von Deutschland aus, da nur wenige Vermieter auf E-Mails antworten, sofern eine Adresse überhaupt angegeben ist. Beliebter und Erfolg versprechender ist da das Telefonieren. Die Vermieter sind insbesondere im benachbarten Saint-Marc sehr aufgeschlossen gegenüber Studenten, wollen allerdings zumeist für ein komplettes Semester vermieten, d.h. länger als das Semester der Nordakademiker es erlaubt. Die Vermieter der Apartments entlang der Promenade in Pornichet und La Baule sind hingegen teilweise etwas skeptisch gegenüber Studenten, da sich ihre Erfahrungen oft auf den anscheinend weniger guten Ruf französischer Studenten beschränken, die darüber hinaus üblicherweise nicht zum normalen Klientel gehören.
Empfehlenswert ist also ein Apartment entlang der lang gezogenen Bucht von La Baule/ Pornichet oder im benachbarten Saint-Marc, zum einen aufgrund des kurzen Anfahrtsweges zur IUT, zum anderen findet man hier am meisten Anschluss an französische Kommilitonen. Sowohl die Strandpromenade Pornichets als auch die kleinen Buchten und Strände St.-Marcs sind zudem im Spätsommer besonders einladend.
Jan Philipp hat sich erst vor Ort eine Unterkunft gesucht und sein Appartement über die Wohnungsanzeigen am schwarzen Brett des IUT gefunden. Hier inserieren viele private Vermieter zu Beginn des Semesters, weil auch viele französische Studenten nicht aus der Region stammen und eine Unterkunft für das Semester suchen müssen. Eine Woche vor Semesterbeginn waren hier ausreichend akzeptable Appartements noch nicht vermietet. Das Appartement lag direkt am Hafen von Pornichet. Die Vermieter waren ein Ehepaar im Ruhestand, die diese Immobilie erst kürzlich erworben hatten. Es wurde ein handschriftlicher Mietvertrag angefertigt und die Miete monatlich in bar bezahlt. Für den Vertragsabschluss wurde eine Gebäudeversicherung für junge Leute verlangt. In Frankreich sind dies vorgefertigte Versicherungspakete von bsp. Groupama, die die meisten gravierenden Schadensfälle abdecken, also Feuer, Wasser, Bruch etc.. Da M. Prost
vom IUT ein Experte auf diesem Rechtsgebiet ist, hat er seine Hilfe für das Suchen einer solchen Versicherung gerne angeboten. Ein Appartement war zwar schnell gefunden, aber leider war hier das Zusammenspiel von Heizung und Isolierung nicht ausreichend wintertauglich, weshalb Jan Philipp von November bis Dezember wie Raffael im Fenêtre sur Mer gewohnt hat.

1.3. Finanzen und Versicherung
Die Lebenserhaltungskosten in der Bretagne sind minimal höher anzusetzen als in Hamburg. Die Mietpreise der Apartments bewegen sich zwischen monatlichen 350 – 450 Euro wobei ein einheitlicher Vergleichsmaßstab kaum feststellbar ist. Ausführliche Recherchen sind also angebracht, besser noch ist allerdings der Rückgriff auf bestehende Kontakte, wie beispielsweise das „Fenetre sur Mer“ oder private Vermieter in der „Residence Maeva“.
Die bargeldlose Bezahlung mit Kredit- oder EC-Karte ist in Frankreich etwas verbreiterter als in Deutschland und bereitet kaum Probleme (mit Ausnahme des Handlings deutscher Karten, was französischen Kassiererinnen und Kassierern gelegentlich ungeahnte Schwierigkeiten bereitet, sich jedoch leicht auflösen lässt). Dies gilt sowohl für das Einkaufen als auch für das Tanken, wobei die „Stations d’essence“ (Tankstellen) am Wochenende geschlossen sind und an SB-Säulen nur französische Karten akzeptieren! Bargeldabhebungen mit der EC-Karte kosten i.d.R. 3€ pro Abhebung.
Vor Antritt des Semesters ist es sinnvoll, sich über Krankenkasse. und Versicherungsmodalitäten im Ausland zu informieren und ggf. eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Ein Anruf genügt – die Kosten liegen unter 10€ p.a.


2. Die Anreise
Grundsätzlich ist die Anreise per PKW sehr zu empfehlen, da man vor Ort nur so mobil und flexibel ist. Saint-Nazaire und Umgebung besitzen zwar ein öffentliches Nahverkehrsnetz, welches gegenüber dem Auto allerdings eine erhebliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit bedeutet und insbesondere in puncto täglicher Weg zur Uni und Erkundung des Umlandes nicht zu empfehlen ist. Für die An- und Abreise gibt es mehrere „Standard“-Routen. Köln, Aachen, Lüttich, Charleroi, Valenciennes (Grenze), Paris, Le Mans, Nantes ist eine davon, die je nach Belieben und Verkehrslage variiert werden kann ohne größere Zeiteinbußen in Kauf nehmen zu müssen.
Die Fahrtzeit beträgt bei etwa 1.200 km zwischen 12-16 Stunden. Als Kosten schlagen hier das Tanken (Bsp. Golf Diesel: Zwei Tankfüllungen) sowie pro Strecke, abhängig von der Route, etwa 35€ Maut zu Buche. Auf französischen Autobahnen ist das Tempo auf 130 km/h begrenzt, dafür gibt es keine Staus oder hinderliche Baustellen. Die fest installierten Blitzer sind rechtzeitig vorher ausgeschildert, mobile Kontrollen sind selten.


3. Die Uni
Die Uni stellte den Lebensmittelpunkt während des etwa viermonatigen Aufenthaltes dar. Neben den täglichen Vorlesungen konnten hier vor allem Kontakte zwischen den Studenten geknüpft werden, von denen nur etwa die Hälfte aus der näheren Umgebung kamen während sich die andere Hälfte aus allen Gegenden Westfrankreichs zusammen setzte.

3.1. Die IUT de St.-Nazaire
Die IUT Saint-Nazaire ist ein Satellit der staatlichen Universität Nantes und entspricht im weitesten Sinne einer Fachhochschule in Deutschland. Die Uni beherbergt etwa 1200 Studenten in den Fachrichtungen „Mésures Physiques“, „Genie Civile“, „Logistique et Transport“ sowie „Techniques de Commercialisation“. Im letztgenannten Departement werden die Studenten der Nordakademie untergebracht. Mit dem „DUT“, der „Licence Pro TC PME/PMI“ und der „Licence Pro Nautisme“ gibt es dort drei unterschiedliche Studienoptionen, auf die später näher eingegangen werden soll. Die Ansprechpartnerin für Austauschstudenten, Mme. Prost, hat selbst längere Zeit in Deutschland gelebt und spricht dementsprechend fließend deutsch. Gerade zu Anfang ist es sehr hilfreich, hierauf zurückgreifen zu können. Neben der Koordination der Auslandskontakte leitet sie alle Deutsch- Vorlesungen, die am IUT abgehalten werden und ist für Austauschstudenten der Nordakademie (wie eingangs angedeutet sind andere Austauschstudenten rar gesät) die zentrale Ansprechpartnerin, sowohl für Anliegen in Sachen Uni als auch außerhalb.
Die Ausstattung der IUT ist recht spartanisch, die Räume sind mit Holztischen und -stühlen ausgestattet und moderne Technik sucht man vergebens. Gewöhnungsbedürftig waren anfangs auch die sanitären Einrichtungen, die von Männern und Frauen, von Studenten und Dozenten gemeinsam genutzt werden und einiges artistisches Geschick abverlangen, da heißt es klettern oder Tür auflassen – willkommen in Frankreich.
Dem Fachbereich TC („Techniques de commercialisation“) stehen zwei Computerräume zur Verfügung mit alles in allem akzeptabler Ausstattung (teils veraltet, teils neu), zusätzlich gab es, von zeitweisen Ausfällen abgesehen, im gesamten Komplex Zugang zu Wireless-LAN (während eines länger andauernden Ausfalls konnte das WLan im Gebäude „Genie Civile“ genutzt werden – beste Grüße an M. Lefort…). Darüber hinaus gibt es einen Aufenthaltsraum in dem man sich an zwei aufgestellten Automaten verpflegen kann. Für den großen Hunger betreibt die IUT eine Mensa, in der Studenten für 2,75€ ein komplettes Menü erhalten, alternativ steht eine Cafeteria zur Verfügung, dort sind Sandwiches und ähnliches erhältlich.
Wie überall in Frankreich ist das Sportangebot in öffentlichen Einrichtungen sehr vielfältig und wird stark gefördert. So wird der Donnerstagnachmittag prinzipiell von Vorlesungen freigehalten um hier seinem Sport nachgehen zu können. Das Angebot reichte von diversen Ballsportarten über Wassersport bis hin zu Fitnesstraining im eigenen Kraftraum der Uni (s. auch 5.1 Sport).

3.2. Vorlesungen
Im Fachbereich „Techniques de commercialisation“ (TC), etwa „Verkaufs- und Vermarktungstechniken“, findet eine Ausbildung nach „Bac+2“ statt, d.h. das erste Studium über 2 Jahre nach dem französischen Abitur. Aufgrund des zentralistischen Schulsystems, Abitur nach 12 Jahren und entfallener Wehrpflicht ist dieses Studium etwa im Alter von 19-20 Jahren beendet und richtet sich damit in erster Linie an Studierende, die nach dieser Art „Grundausbildung“ unmittelbar ins Berufsleben einsteigen wollen. Optional gibt es ein einjähriges Aufbaustudium (entspr. „Bac+3“), welches mit dem französischen Äquivalent eines Diploms abgeschlossen wird. Die Austauschstudenten der Nordakademie nehmen am 2. Jahr der Ausbildung teil.
Wie der Name „TC“ bereits vermuten lässt, ist diese Ausbildung (DUT = „Diplome Universitaire Technologique“) schwerpunktmäßig auf Verkauf und Marketing ausgerichtet und zielt weniger auf umfangreiches Hintergrundwissen und wesentliche Fächer wie Rechnungswesen oder Controlling ab. Unterrichtet wird im Klassenverband, insgesamt sind die Vorlesungen sehr verschult und kaum mit denen in Deutschland vergleichbar. Darüber hinaus gibt es die „Licence Pro TC PME/PMI“. Dieser Studiengang innerhalb des TC richtet sich vor allem an Hochschulabsolventen mit technischem Hintergrund, die entweder ihren Kompetenzbereich erweitern wollen oder sich generell neu ausrichten möchten. Folglich haben alle Studenten schon eine erste Ausbildung hinter sich und befinden sich in ihrem dritten Studienjahr. Der Name „PME/PMI“ deutet darauf hin, dass sich die Ausbildung vor allem an kleinen und mittelständischen Unternehmen ausrichtet, es werden jedoch ebenso viel größere Konzerne und deren Strategien besprochen.
Jan Philipp nahm an der „Licence Professionel de Nautisme“ oder CCN (Cadre Commercial Nautique) teil. Dies ist ein einjähriges kaufmännisches Aufbaustudium für Fachleute aus der Bootsbranche, die sich beispielsweise vom Ingenieur zum Verkäufer qualifizieren wollen. Eine zumeist technisch orientierte Grundausbildung ist hier also bereits vorhanden. Alle kaufmännischen Studieninhalte sind hier auf die französische Bootsbranche angepasst. Die Licence Professionel ist nicht mit einem Masterstudium zu vergleichen, da es stärker darum geht, praktische Fähigkeiten wie etwa Verkaufstechniken zu entwickeln. Die Studenten erbringen zahlreiche Prüfungsleistungen in anzufertigenden Gruppenarbeiten, weshalb viele Fächer mit einem konkreten Praxisbeispiel verknüpft sind. Besonders stark ist dies im Fach
Projektmanagement. Hier müssen die Studenten ein eigenes Projekt realisieren und bekommen dazu parallel über die gesamte Projektlaufzeit (meist das gesamte Semester) theoretischen Unterricht. Ihre Projekte wählen die Studenten in Absprache mit den Dozenten
selbst aus. In diesem Jahr handelte ein Projekt beispielsweise vom Gründen eines Vertragshändlers einer bekannten französischen Bootsmarke. Die Prüfungsleistung zu Ende des Projektes stellte der dazugehörige Businessplan dar. An einem solchen Projekt zumindest für die Zeit des Aufenthaltes teilzunehmen kann für ausländische Studenten interessant sein, weil der größte Teil der Arbeit selbstständig privat erledigt werden muss und dies eine intensive Auseinandersetzung mit der „französischen Business-Welt“ erfordert.
Außerdem kann eine solche Zusammenarbeit mit den Kommilitonen zu leichterer Integration führen.
Der Stundenplan sah bei Jan Philipp folgende Fächer vor:
Managementtechniken, PR, Erstellen einer Homepage, Analyse des Bootsmarktes in Frankreich, Wirtschaftliches Umfeld der Bootsbranche in Frankreich, Juristische Umgebung nautischer Aktivitäten, Vertragsrecht, Rechnungswesen, Finanzierungstechniken, Strategisches Marketing, Verhandlungstechniken, Export, Englisch, Einkaufspolitik, Organisation der Bootsproduktion, Projektmanagement, Qualitätssicherung bei der Produktion, Versicherungen. Zusätzlich absolvierten die Studenten des CCN einen Motorbootsführerschein, an dem Jan Philipp hätte teilnehmen können. Kosten hierfür ca. € 250 ,-. Des weiteren waren zwei Praktika vorgesehen. Ein elftägiges Anfang Dezember auf der Bootsmesse in Paris und ein dreimonatiges von März bis Mai. Während der Praktikaphase im Dezember hat Jan Philipp problemlos an den Kursen des zweiten Jahres teilnehmen können.
Da Jan Philipp der erste Gaststudent in der LP CCN war, lag zu Beginn des Studiums noch keine ECTS-Aufschlüsselung der einzelnen Kurse vor. Diese wurde dann zusammen mit dem Fachbereichsleiter Monsieur Gérald Harduin erstellt, weshalb sie nun für alle folgenden Gaststudenten schon zu Beginn des Studiums vorhanden sein sollte. Die Anzahl der vorgesehenen Unterrichtsstudenten lässt ein problemloses Erreichen der mindestens 20 ECTS Punkte zu. Es kann jedoch auch vorkommen, dass bestimmte Kurse mit 0 ECTS Punkten bewertet werden. Monsieur Harduin ist für alle damit zusammenhängenden Fragen der richtige Ansprechpartner.

3.3. ECTS und Anerkennung
Im Rahmen des Erasmus/ Sokrates- Austauschprogramms findet das ECTS-Verfahren (European Credit Transfer System) Anwendung.
Entsprechend den internationalen Vorgaben und denen der Nordakademie, die mit der Kurswahl in Frankreich deutlich übererfüllt wurden, ist das Semester in Deutschland anerkannt. Maßgeblich sind in erster Linie die Vorgaben der Nordakademie mit min. 20 ECTS-Punkten oder min. 4 Fachkursen. Einzelheiten können ggf. mit Frau Prost vom IUT oder Frau Andersen von der NAK abgesprochen werden.


4. Alltag
Auch an einem so reizvollen Ort wie der südlichen Bretagne treten gewisse Alltagserscheinungen auf, die wie auch in Hamburg bewältigt werden müssen, hierzu gehören beispielsweise die Verpflegung oder die tägliche Mobilität.


4.1. Einkaufen
In Sachen Lebensmitteleinkaufen müssen in Saint-Nazaire und Umgebung keine Einbußen in Kauf genommen werden, ganz im Gegenteil. Die Entwicklung hin zu großen Supermärkten, Shoppingmalls und Gewerbeparks ist auch in Frankreich ungebremst und so sind alle großen Einkaufs-Center bequem zu erreichen und liegen teilweise sogar zwischen Wohnung und Uni.
Daneben findet in Pornichet zwei Mal wöchentlich ein Markt statt, der ebenfalls zum Einkaufen einlädt und außerdem eine gute Möglichkeit ist, seine frisch erworbenen Verhandlungsfertigkeiten zu testen. Wie in Frankreich üblich, gibt es zudem zahlreiche Bäcker, die für die tägliche Ration Baguette sorgen.
Für darüber hinaus gehende Einkäufe bieten La Baule oder das 45 Minuten entfernte Nantes einige Möglichkeiten, während Saint-Nazaire selbst aufgrund der damals ansässigen Industrie im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört wurde und bis heute wieder aufgebaut wird.
Rathaus und Postamt Pornichet Marktplatz Pornichet und Tankstelle „Total“ (jeden Samstag ist bis 13 Uhr Markt)
Tankstelle „Shell“
Supermarkt und Tankstelle „Intermarché“, Preisniveau: Mittel
Supermarkt „Champion“, Preisniveau: Hoch
Supermarkt „LIDL“, Preisniveau: Niedrig
Einkaufszentrum, Supermarkt und Tankstelle „Geant“, Preisniveau:Mittel;
McDonalds
Hypermarkt und Tankstelle „E.Leclerc“, Preisniveau: Mittel
Industriegebiet bei Trignac, Abfahrt von der N171

Hinweis zu Tankstellen:
Die Tankstellen der großen Super- und Hypermarktketten wie „E.Leclerc“, „Geant“ oder „Intermarché“ sind bedeutend billiger, als diejenigen der internationalen Öl-Multis. Über Gerüchten, der Kraftstoff sei weniger qualitativ, lässt sich möglicherweise streiten…

4.2. Essen gehen
Durch die Nähe zum Atlantik kommen natürlich in erster Linie Fisch und Meeresfrüchte-Liebhaber auf ihre kosten. Wer hier sein Auslandssemester verbringt sollte sich die Muscheln, Krebse und Scampis nicht entgehen lassen. Darüber hinaus erfreuen sich aber auch immer wieder Crepes und Galettes großer Beliebtheit und so konnten sich die favorisierten Restaurants (z.B. das Le Belem am oberen Ende der Bucht) mehr als nur ein Mal über kräftige Umsatz-Zuwächse durch deutsche Beteiligung freuen... Dabei darf ein bretonischer Cidre (Apfelwein) ebenso wenig fehlen wie ein Muscadet, ein trockener Weißwein für den die Region unter anderem bekannt ist.
Am nördlichen Ende der Bucht, in Le Pouliguen, ist der Kanal, der das Meer mit den Salzfeldern von Guérande verbindet, zu einem kleinen Hafen ausgebaut. Hier finden sich besonders viele einladende Restaurants.

4.3. Tipps und Hinweise
Als im Alltag sehr hilfreich hat sich neben den Pkw der Kauf französischer Handy-Karten (z.B. vom Anbieter SFR) erwiesen. Diese lassen sich, wie auch in Deutschland, mit verschiedenen Beträgen aufladen, die dann entsprechend der Höhe unterschiedlich lange gültig sind. Nicht nur unter den Kommilitonen wird so die Kommunikation erheblich kostengünstiger, auch bei Gesprächen ins- oder aus dem Ausland wird so das Bankkonto merklich entlastet. Tipp: Gleich zu Anfang einen etwas höheren Betrag auflagen (z.B. 65€). Man erhält damit zusätzliches Geprächsguthaben von mehreren Euro bei entsprechend längerer Laufzeit.
Um Studentenrabatte in Anspruch nehmen zu können, genügt der Studentenausweis, der an der IUT ausgehändigt wird. Diese Rabatte gibt es wie auch in Deutschland in Museen, Kinos usw. Teilweise ist der (internationale) ISIC-Ausweis hilfreich, dieser kann über die Nordakademie beantragt werden und kostet 10€.
Der Ruf, besonders La Baule sei recht wohlhabend und entsprechend hochpreisig, spiegelt sich für den unmotorisierten Studenten auch in den Taxipreisen wider, die etwa doppelt so hoch sind wie in Deutschland. Nach einigen Telefonaten kann folgende Nummer wenigstens einigermaßen guten Gewissens weiter empfohlen werden: 0240420505. Taxiunternehmen ähnlich wie in Deutschland existieren außerhalb der Großstädte Frankreichs nicht, sodass das Fahren von Touristen oft nur eine Nebenbeschäftigung für Einheimische ist. Es ist deshalb ratsam, möglichst frühzeitig zu klären, ob ein Taxiunternehmer z.B. auch abends noch fährt.


5. Freizeitaktivitäten
Vor allem die lang gezogene Bucht von Le Pouliguen über La Baule bis zum Hafen von Pornichet läd zu sportlicher Betätigung ein.

5.1. Sport
Wie bereits erwähnt ist das Sportangebot an der IUT sehr vielseitig und wird stark gefördert. Aber auch außerhalb bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Bewegung. Abgesehen von einem nahe gelegenen Fitnessstudio laden insbesondere der Strand und die Strandpromenade entlang der Bucht von Pornichet und La Baule zum Joggen oder Inlineskating ein. Gerade in den noch warmen Herbstmonaten bietet sich auch das Mer zum Schwimmen, Surfen oder Segeln an. Sollte es zu kalt werden, so kann auf nahe gelegene Schwimmbäder ausgewichen werden.

5.2. Kino
In Saint Nazaire gibt es ein großes Kino, das mit „Cinemaxx“ oder „Ufa- Palästen“ in Deutschland vergleichbar ist. Es heißt „Cineville“ und liegt direkt am Hafen gegenüber des großen U-Boot-Bunkers. Der Link zur Homepage zum Zeitpunkt der Berichtserstellung ist:
http://saint-nazaire.cineville.fr/progr ... le=nazaire

5.3. Kommilitonen
Teil der Ausbildung TC/DUT war die Durchführung eines eigenen Projektes, vielfach im sozialen Bereich. Zur Finanzierung der hierfür zu gründenden Gesellschaft veranstalteten die Projektgruppen, traditionell am Donnerstag, öffentliche Veranstaltungen (sog. „Tonus“) in der Gegend in und um Pornichet.
Daneben vertiefte sich von Anfang an der Kontakt zu zahlreichen Kommilitonen, was die Lernfortschritte sehr unterstützte und schon bald zu lebhaften Diskussionen führte (siehe 6. Fazit). Mit einigen Kommilitonen aus Saint-Nazaire dauert der Kontakt auch über das Auslandssemester hinaus an, so schien auch für sie der Besuch der Deutschen eine rundum gelungene Sache zu sein.

5.4. Das Umland
Wer die Möglichkeit hat, sollte es sich nicht nehmen lassen, von Saint- Nazaire/ Nantes aus Land und Leute zu erkunden. So sind an den Wochenenden die Bretagne oder auch Paris und die südlicheren Küstenregionen bequem in wenigen Stunden zu erreichen. Von alten Chateaux über beeindruckende Kathedralen bis hin zu winzige Buchten und Stränden kann hier viel besichtigt und erlebt werden.
Fotos unserer Touren findt ihr unter anderem auch auf http://www.sevenload.de unter User „Paul Pornichet“.


6. Fazit
Nicht nur wegen des reizvollen Umlandes und der attraktiven Lage am Meer ist Saint-Nazaire für interessierte Studenten sehr weiter zu empfehlen. Insbesondere im Vergleich mit internationalen Studienhochburgen wie der EBS in Paris ist die etwas ländlichere Umgebung Saint-Nazaires sehr Vorteilhaft um die Haupt-Ziele eines Auslandssemesters zu erreichen: Die Sprache zu lernen bzw. auszubauen sowie Land und Leute, neue Mentalitäten und Umgangsformen kennen zu lernen. Nicht, dass aus Paris Schlechtes zu vermelden wäre, allerdings finden sich Auslandsstudenten hier unter Nord-, Ost- und Südeuropäern wieder, kaum jedoch unter Franzosen.
So wird den Verlautbarungen nach hauptsächlich Englisch oder Spanisch gesprochen – eine Entscheidung die jeder für sich treffen muss.
Saint-Nazaire dagegen eignet sich hervorragend, um in intensiven Kontakt mit Franzosen zu treten und deren Kultur kennen zu lernen, eine Kultur, die trotz überwiegender Gemeinsamkeiten auch einige Unterschiede offenbart. So ist es für fast jeden Ausländer in Frankreich über einen längeren Zeitraum kaum möglich, über den allerorts propagierten, ebenso typischen wie oft unbegreiflichen Nationalstolz, hinweg zu sehen. In den Köpfen fast aller Franzosen ist Frankreich noch immer „La Grande Nation“ Alles andere, seien es europäische oder globale Fragen, sind zunächst zweitrangig und so kann man nicht leugnen, dass der Ausspruch, Franzosen seien in gewisser Hinsicht die Amerikaner Europas, auch einen Funken Wahrheit enthält, auch wenn dieser Vergleich sonst jeglicher Grundlage entbehrt.
Sprachlich helfen die knapp vier Monate in Frankreich sehr weiter und genügten so am Ende sogar, um mit dem Vermieter über die Kaution zu verhandeln – auf Französisch. Auch wenn man nach einem solchen Aufenthalt noch immer nicht die Meinung ‚der Franzosen’ teilt, Französisch sei Weltsprache noch vor Englisch, so kann man nicht leugnen, das Französisch die Sprache der Diplomatie ist, da die feinen Nuancen und Formulierungsmöglichkeiten die Ausdruckskraft der meisten anderen Sprachen übersteigen.
Wir könnten problemlos weiter 15+ Seiten mit Infos, Erfahrungen und Tipps füllen, der Tenor dürfte allerdins klar geworden sein: Lasst euch die Gelegenheit nicht entgehen und habt eine genauso geniale Zeit wie wir, im „Land des Rotweins und der Baguettes“!
Ein letzter Tipp: Unser ausgesprochen positives Fazit scheint sich nicht 100%-ig mit den Wahrnehmungen aller zu decken, die bisher in SNZ waren.


Da nicht alle Artikel ständig auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft werden können, gibt es hierfür keine Garantie. Solltet ihr über tote Links oder E-Mail Adressen stolpern, bitte kurze Info an uns, dann können diese angepasst oder entfernt werden.
Modus: "Rock my Life!" - ...du bestimmt was du bist...und was du wirst!
Adam Dubielecki
 
Beiträge: 46
Registriert: Di 20. Nov 2007, 13:34
Hochschule: FH Nordakademie in Elmshorn
Auslandssemester in: Cape Town
Auslandssemester an: University of Cape Town

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