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London - University of Westminster - 2006

Erfahrungsberichte von Studierenden, die in Großbritannien ihr Auslandssemester absolviert haben

London - University of Westminster - 2006

Beitragvon Adam Dubielecki am Sa 12. Jan 2008, 09:45

"Dieser Erfahrungsbericht wurde von einem FH Nordakademie Studenten geschrieben. Die EBS Paris ist Partnerhochschule. Somit sind die Infos zum Bewerbungsverfahren irrelevant."

1. Infos zum Bewerbungsverfahren
Nach einer Informationsveranstaltung zum Auslandssemester durch das International Office Ende 2005 sowie dem Lesen von diversen Erfahrungsberichten anderer Studenten auf den Seiten des Auslandsreferats auf der Homepage der Nordakademie, entschied ich mich Anfang 2006 für ein Auslandssemester.
Anders als in anderen EU-Ländern erhält man für ein Studium in England leider keinerlei Erasmus-Fördergelder und muss Studiengebühren zahlen. Trotzdem stand mein Entschluss fest: ich gehe nach London.
Nach Vergleich von Kursen, Standort und vor allem Studiengebühren der beiden Partneruniversitäten entschied ich mich für die University of Westminster.
Ich setzte mich mit der Ansprechpartnerin für EU-Studenten an der University of Westminster, Miss Elisenda George (E.R.George@westminster.ac.uk) in Verbindung und sie schickte mir per Email alle nötigen Unterlagen (Application Form, Reference Sheets, etc.) sowie Infomaterial zu Kosten, Unterbringungsmöglichkeiten und Semesterzeiten des „Undergraduate Study Abroad Module“ welches durch uns Nordakademie-Studenten belegt werden kann.
Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester/Semester 1  September bis Dezember) ist der 01. Mai eines Jahres.


2. Vorbereitungen
Versicherungen
Außer einer Auslandskrankenversicherung habe ich keine extra Versicherung abgeschlossen.

Visum
Für Großbritannien ist kein Visum nötig, zur Einreise genügt ein gültiger Personalausweis.

Gepäck
Während meines Auslandssemesters herrschten bis Ende Oktober super Wetter, kaum Regen und sommerliche Temperaturen. Auch im November und Dezember gab es verhältnismäßig wenig Regen. Generell wird London aber viel Regenwetter nach gesagt. Einen Regenschirm sollte man also schon einpacken, ansonsten ganz normale Kleidung wie auch in Hamburg um diese Jahreszeit.

Anreise
Ich bin zusammen mit einer Kommilitonin mit British Airways nach Heathrow geflogen. Hin- und Rückflug haben ca. EUR 120,- gekosten. Sicherlich hätte man auch günstiger mit Germanwings (Gatwick Airport) oder Ryanair (Stansted Airport) fliegen können, aber wir haben uns aufgrund der höheren Freigepäckgrenze (23 kg anstatt 16 kg) und der besseren Anbindung für Heathrow entschieden. Es lohnt sich auf jeden Fall früh zu buchen.
Übrigens: sowohl auf dem Hin- (25 kg) als auch auf dem Rückflug (29 kg!) wurden die Freigepäckgrenze von British Airways sowie die Ein-Handgepäckstück-Regelung locker gesehen und wir mussten kein Übergepäckzuschlag zahlen. Aber das ist natürlich ohne Gewähr…


3. Unterkunft und Verpflegung
Unterkunft
Die Unterbringung im Studentenheim (Halls of Residence) ist sehr eingeschränkt und grundsätzlich nur für 1-Jahres-Aufenthalte vorgesehen. Restplätze werden kurzfristig vor Semesterbeginn auch an Study Abroad-Studenten vergeben. Die Halls mit jeweils etwa 100 bis 200 Studenten sind über die Stadt verteilt und kosten zwischen GBP 80,- und GBP 100,-. Die Zimmer sind klein, Duschen und WC sowie Küche müssen mit mehreren anderen Studenten geteilt werden.
Alternativ kann man sich über die täglich erscheinende Zeitung Loot (online: http://www.loot.com) oder über das Portal Gumtree (http://www.gumtree.com) eine private Unterkunft in einer WG oder ein Einzelzimmer suchen. Ich bin eine Woche vor Semesterbeginn nach London geflogen. Von Hamburg aus hatte ich mir ein Zimmer in einem Hostel gesucht (z.B. Holland House Hostel, GBP 20,- pro Nacht im Zweibettzimmer mit WC/Dusche auf dem Flur, http://www.london-hostels.co.uk) und dann in der ersten Woche intensiv mit nach Zimmern bzw. Wohnungen gesucht. Das Hostel war ok, recht sauber und super zentral bei der Station Victoria gelegen.
Der Campus Marylebone, an dem ich war, liegt an der Station Baker Street, in der Zone 1 des Underground-Netzes. Zu Beginn habe ich nur in Zone 1 und Zone 2 gesucht, um keine allzu langen Anfahrtswege und den günstigeren Monatskarten- Preis zu haben. Aber die Zimmer in diesen Zonen sind sehr, sehr teuer… Also hab ich meine Suche ausgeweitet und schließlich in Zone 3 (Station Brent Cross, Northern Line) privat ein Zimmer bei einer Familie gefunden. Ich hatte mein Zimmer und ein eigenes Bad, die Küche durfte ich mitbenutzen. Pro Woche habe ich GBP 85,- gezahlt plus GBP 15,- pro Monat für Nebenkosten. In der Miete waren Wireless Lan sowie „Familenanschluss“ inbegriffen. In den 3 Monaten habe ich für Unterkunft also knapp EUR 1800,- ausgegeben. Ganz in der Nähe war ein riesiges Einkaufszentrum sowie ein Tesco-Markt, die Tube ist 5 Min. entfernt und ein Bus bis Baker Street (Fahrzeit 30 Min.) fährt auch vor der Tür. Außerdem um die Ecke ist Hampstead Heath, ein wunderschöner grüner Stadtwald/-park mit tollem Blick auf London.

Verpflegung
London ist teuer… selbst Grundnahrungsmittel sind wesentlich teurer als bei uns. Besonders bei Obst und Gemüse oder auch Fleisch merkt man das. Ich habe versucht, bei dem Tesco-Markt um die Ecke wöchentlich alles einzukaufen, um bei größeren Mengen zu sparen (Buy 2 get 1 free). Zu Anfang hab ich noch alles umgerechnet und mich aufgeregt, wie teuer alles ist. Aber irgendwann muss man das einfach akzeptieren, es ist halt London! Insgesamt hab ich ca. EUR 700,- für Lebensmittel ausgegeben.


4. Hochschule
Die Hochschule hat 2 Campi, einen in Harrow, ganz am Rande von London, und einen direkt im Zentrum - Marylebone Campus - direkt an der Baker Street gegenüber von Madame Tussauds. Die Uni ist von außen ein moderner Glasbau, innen ist allerdings nicht mehr alles so neu, einige Vorlesungsräume sind schon ziemlich heruntergekommen.

Einschreibung
In der Woche vor Semesterstart findet eine Einführungsveranstaltung statt wo sich auch die Mitarbeiter der Study Abroad Unit vorstellen, die für die Auslandsstudenten zuständig ist. Dort werden nochmals viele Infos erteilt und man erhält seinen Studentenausweis sowie Stundenplan und einen Termin zu einem individuellen Gespräch zwecks Kursberatung oder -wechsel.

Vorlesungen
Mit der Anmeldung und Überweisung der Studiengebühren muss man 4 Kurse wählen. Diese Wahl ist aber nicht unbedingt verbindlich. In der ersten Woche können die Kurse gewechselt werden und neu belegt werden. Ich habe die Kurse International Marketing, Human Ressource Management, Global Markets und Operation Management belegt. Insgesamt kann man sagen, dass das Niveau der Uni unter dem der Nordakademie liegt. Ich habe 2 Kurse „Level 6“ (Niveau des Abschlussjahrgangs!) und 2 Kurse „Level 5“ belegt. Jeder Kurs besteht aus einer Vorlesung von 1,5 Stunden und noch mal 1,5 Seminar wo Fallstudien oder Texte besprochen werden.
International Marketing (Level 6) war sehr unterhaltsam, da der Dozent sehr sympathisch und lustig war. Durch die vielen Austauschstudenten wurde die Vorlesung bereichert, weil wir die Themen von verschiedenen Blickwinkeln behandeln konnten. Die Assignments, also Prüfungen, wurden hier in Form von Präsentationen und Debatten abgehalten.
Global Markets (Level 5) war auch sehr interessant, es wurden viele aktuelle Wirtschaftsprobleme besprochen, allerdings war hier die Meinung des Dozenten teilweise sehr einseitig. Assignments wurden durch Präsentationen in Gruppenarbeit abgeleistet; das „Unter-den-Hut-bringen“ von unterschiedlichsten Arbeitsweisen und -einstellungen war eine Herausforderung. Operations Management (Level 5) behandelte verschiedene Organisations- und Logistikmethoden im Unternehmen. Leider wurden auch hier nur möglichst viele Methoden aufgelistet, die tatsächliche Bedeutung für das Unternehmen oder Mitarbeiter blieb im Dunkeln.
Human Ressource Management (Level 6) ist bestimmt ein interessantes Themengebiet, allerdings nicht wenn die Dozentin regelmäßig Tobsuchtanfälle bekommt und es vorzieht, Zitate aus irgendwelchen Büchern auf den OHP zu legen anstatt uns diese Theorien auch zu erklären.

Bibliothek und Internet
Die Bibliothek am Marylebone Campus erstreckt sich über mehrere Stockwerke und ist sehr umfangreich. Die meisten benötigten Bücher konnte man ohne Probleme dort finden und auch ausleihen. Zudem befinden sich dort mehrere Arbeitsräume zu Recherchieren und Lesen. Überall ist WLAN verfügbar. Zudem gibt es mehrere Rechnerräume, zu bestimmten Zeiten waren diese allerdings hoffnungslos überlaufen, gerade der Zentralste in der Bibliothek. Drucken konnte man mittels Guthaben auf seinem Studentenausweis, sehr praktisch. Insgesamt ist die Ausstattung gut.

Mensa
Es gibt einen zentralen Bereich wo warme Speisen (leider viele sehr fetttriefende, frittierte Sachen), Salate, Suppen und Getränke verkauft wurden. Dort stehen auch Tische und Stühle, sowie Billardtisch, eine Sofaecke mit Fernseher. Zudem gibt es noch einen kleinen Snack-Shop mit Sandwichs und Kaffee. Die Preise sind ok, für Londoner Verhältnisse recht günstig.

Sport
Die University of Westminster bietet diverse Sportmöglichkeiten an. Neben Fussball, Hockey, Basketball und anderen Teamsportarten gibt es auch ein Fitnessstudio wo man gegen eine Gebühr von ca. GBP 20,- pro Semester trainieren kann. Zu Beginn des Semesters wird ein Probetag angeboten, wo man Sportarten ausprobieren kann.

Studentenrabatte
Mit dem Studentenausweis bekam man bei diversen Geschäften (Esprit, H&M, Waterstones, etc.) 10% Rabatt. Einfach mal auf Aktionen achten. Zudem berechtigt der Studentenausweis zum Erwerb der Oyster Student Photo Card, einer Monatskarte für die Tube, die um 30% günstiger ist als die normale Monatskarte.
Dazu muss ein Formular ausgefüllt werden, GBP 5,- per VISA-Card bezahlt werden und ca. 3 Wochen später bekommt man die Oyster Card zugeschickt (spätestens dann sollte man eine feste Adresse haben…)
Die Oyster Card bietet auch viele 2-for-1 Angebote, z.B. eine Fahrt im Millennium Eye für 2 Personen wo dann nur einer bezahlt wenn die Oyster Card vorgelegt wird.
Die viel angepriesene NUS-Card braucht man übrigens absolut nicht!


5. Kontaktmöglichkeiten
Innerhalb der Hochschule
In den Vorlesungen sind meist wesentlich mehr ausländische Studenten, also Austauschstudenten, als wirkliche Engländer bzw. Briten. „Leider“ auch recht viele Deutsche… Man kommt aber recht schnell mit ihnen in Kontakt, alleine schon durch die Gruppenarbeiten. Sehr spannend mit unterschiedlichen Nationalitäten zu arbeiten, jeder arbeitet anders!

Außerhalb der Hochschule
Wenn man im Wohnheim wohnt, lernt man wohl zwangsläufig eine Menge Leute dort kennen. Während meines Auslandssemesters waren neben mir noch 8 andere Studenten von NAK an der Uni of Westminster. Abends beim Weggehen waren wir dann doch immer mit anderen Deutschen unterwegs, sehr viel Kontakt zu Anderen ergab sich also nicht. Wobei man auch hier sagen kann dass Auslandsstudenten generell offener sind als Engländer.


6. Was man gesehen und getan haben sollte
Musicals
London ist die Musical-Stadt schlechthin. Hier gibt es eigentlich alle Musicals, von König der Löwen über Dirty Dancing bis zu Wicked. Die Tickets sind recht günstig, zumal man hier auch in der günstigsten Kategorie noch super sehen kann. Am besten am Tag der Vorstellung mal am Leicester Square gucken, da sind viele Ticket Booths, wo reduzierte Tickets angeboten werden.

Umgebung
Bahnfahrten sind recht günstig, es lohnt sich also auch mal Ausflüge in andere englische Städte zu machen. Wir waren in Brighton und Oxford, beides sehr zu empfehlen und nur 1 bis 2 Stunden von London entfernt. Brighton ist einfach sehenswert weil direkt am Ärmelkanal gelegen; die hässlichen Betonklötze muss man einfach übersehen. Und Oxford ist eine klassische Universitätsstadt mit klassischen Gebäuden und beschaulichen Studentenwohnheime. Auf jeden Fall beides eine Reise wert.

7. Verhaltenshinweise
London ist nun mal eine Großstadt und wie in jeder Großstadt sollte man sich nachts nicht unbedingt alleine in Nebenstraßen aufhalten und möglichst nicht alleine nachts Tube oder Bus fahren. Und dass man in dichten Menschenmengen auf seine Tasche und Wertsachen achten sollte, versteht sich wohl auch von sonst! Ansonsten lernt man recht schnell wie man in den Menschenmassen vorankommt - einfach mal die Ellenbogen einsetzen - und auch an das „in die verkehrte Richtung gucken müssen“ beim Straßenüberqueren gewöhnt man sich recht schnell.

8. Sonstiges
London ist einfach eine geniale Stadt die man einfach mal erlebt haben muss! Es gibt eigentlich immer etwas was man unternehmen oder angucken kann. Und das Kennen lernen einer anderen Uni als die Nordakademie ist durchaus sinnvoll, man lernt die NAK noch mehr zu schätzen. Dazu kommen die Sprachkenntnisse und einfach mal 3 Monaten weg von zu Hause sein. Das Auslandssemester war eine super Erfahrung und ich würde es immer wieder machen.

Da nicht alle Artikel ständig auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft werden können, gibt es hierfür keine Garantie. Solltet ihr über tote Links oder E-Mail Adressen stolpern, bitte kurze Info an uns, dann können diese angepasst oder entfernt werden.
Modus: "Rock my Life!" - ...du bestimmt was du bist...und was du wirst!
Adam Dubielecki
 
Beiträge: 46
Registriert: Di 20. Nov 2007, 13:34
Hochschule: FH Nordakademie in Elmshorn
Auslandssemester in: Cape Town
Auslandssemester an: University of Cape Town

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