Erfahrungsbericht Auslandssemester Kanada - University of Calgary - Haskayne School of Business
0. Allgemeines
Calgary mit seinen ca. 1 Mio. Einwohnern liegt im Westen Kanadas in der „Öl-Provinz“ Alberta. Im Westen
erstrecken sich die hohen Gipfel der Rocky Mountains, während im Osten für die nächsten 2.000km nichts außer
Prärie und Farmland zu finden ist. Die Stadt selbst ist typisch nordamerikanisch, d.h. alles in Quadraten, in der
Mitte eine imposante Skyline und drum herum die Wohngebiete mit einstöckigen Holzhäusern. Ein wenig Flair
wird der Stadt durch die Olympia-Historie verliehen. Die Winterspiele 1988 haben überall ihre Spuren
hinterlassen.
Amtsprachen sind Französisch und Englisch, wobei Erstere in Alberta grundsätzlich nicht gesprochen wird.
Bezahlt wird in Kanadischen Dollars. Es bietet sich an, ein Konto bei der Deutschen Bank zu eröffnen, da ihr
dann gebührenfrei bei der Scotiabank an Bargeld kommt.
Die University of Calgary (UofC) liegt im Nordwesten der Stadt. Alle Einrichtungen sind auf einem im Sommer
sehr schön grünen, im Winter weißen Campus untergebracht. Zentrum ist das McEwan-Student Center, in dem
Food Court, Bookstore, Reisebüro und auch das International Student Center untergebracht sind. Im Herbst-
Semester 2006 waren knapp 24.000 Studenten eingeschrieben, davon ca. 2.000 internationale.
1. Vorbereitungen
1.1 Informationen zum Bewerbungsverfahren (Vorgehen / Fristen)
Die UofC ist keine Partnerhochschule der Nordakademie. Diese Tatsache bringt zwei entscheidende Nachteile
mit sich. Erstens ist das Bewerbungsverfahren deutlich komplizierter und zweitens müssen Studiengebühren
bezahlt werden.
Mit den Vorbereitungen sollte so früh wie möglich begonnen werden. Spätestens Anfang April sollte man
entschieden haben nach Calgary zu gehen und auch schon den TOEFL erfolgreich bestanden haben. Um diesen
Englisch-Test kommt man leider nicht herum. In Deutschland ist seit letztem Jahr nur noch die iBT-Version
dieses Testes verfügbar. Dabei sitzt man mit ca. 30 Leuten in einem Computerraum und bearbeitet in mehr als
vier Stunden die vier Sektionen „Reading“, „Listening“, „Speaking“ und „Writing“. Grundsätzlich solltet ihr mit
einigermaßen guten Englisch-Kenntnissen und ein wenig Vorbereitung kein Problem damit haben, die
erforderliche Punktzahl von 83 zu erreichen. Ich hatte in der NAK-Klausur eine 2,0 und hab im Test 106 Punkte
geschafft. Allerdings solltet ihr den Test nicht auf die leichte Schulter nehmen und euch auf jeden Fall
vorbereiten.
Die Anmeldung erfolgt relativ einfach über die Website „http://www.ets.org“. Da die wenigen Plätze in
Hamburg relativ früh ausgebucht sind, solltet ihr euch spätestens im Januar um einen Termin bemühen.
Ansonsten geht es euch am Ende wie mir und ihr reist nach Aachen. Nehmt auf jeden Fall einen Zettel mit dem
TOEFL-Code der UofC mit, da dieser am Ende des Tests eingegeben werden muss.
Danach gilt es, das Formular „Visiting Student Application Form“ auszufüllen, welches ihr hier findet:
http://www.ucalgary.ca/registrar/files/ ... t_form.pdf
Dem Formular müsst ihr ein Transcript von der Nordakademie und einen „Letter of Permission“ beilegen.
Das Transcript bekommt ihr im Auslandsamt, den „Letter of Permission“ müsst ihr selbst erstellen und von
Herrn Tamm unterschreiben lassen. Es reicht aus, hier reinzuschreiben, dass die Nordakademie einverstanden ist,
wenn ihr 4 der folgenden Kurse belegt, und dann eine Liste aller Kurse, die ihr möglicherweise belegen werdet
einzufügen.
Am Besten füllt ihr auch schon die Kurswahl mit aus, wobei dies auch später erfolgen kann.
Ihr erhaltet dann, bei mir allerdings erst im Juni, den „Letter of Acceptance“ und wenig später euren Stundenplan
per Post zugeschickt.
1.2 Versicherungen
Die medizinische Versorgung in Kanada hat einen mit Deutschland vergleichbaren Standart, ist allerdings
deutlich teurer. Daher reicht eure normale gesetzliche Krankenversicherung nicht aus. Es ist zwingend
notwendig eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Hier gibt es viele verschiedene Anbieter.
Ich habe mich über den ADAC versichert, da das Angebot vergleichsweise günstig war. Eine Bewertung kann
ich nicht abgeben, da ich die Versicherung Gott sei Dank nicht in Anspruch nehmen musste. Achtet aber
unbedingt darauf, dass die Versicherung auch Freizeit- und Sportverletzungen mit abdeckt und ggf. auch in den
USA gültig ist.
In den Studiengebühren ist eine Art Zusatzversicherung „Health and Dental Plan“ enthalten. Diesen könnt ihr
getrost stornieren, in dem ihr im entsprechenden Büro im McEwan Student Center vorbeischaut.
1.3 Visum (Beantragungsdauer, -ort)
Das Thema Visum ist eines der ersten Beispiele, was Kanada maßgeblich von den USA unterscheidet. Wenn ihr
nicht plant, länger als 6 Monate zu bleiben, braucht ihr kein Visum und auch kein „Study Permit“. Es reicht aus,
wenn ihr einen gültigen Reisepass habt. Allerdings müsst ihr bei der Einreise am Flughafen dann euren „Letter
of Acceptance“, ein „Financial Statement“, in dem eure Bank bestätigt dass ihr genug Geld habt, um den
Aufenthalt zu finanzieren, und euer Rückflugticket vorzeigen. Ein Visum braucht ihr nur, wenn ihr entweder
länger als 6 Monate in Kanada bleiben wollt oder während eures Aufenthalts einer Beschäftigung nachgehen
wollt. Einen internationalen Führerschein benötigt ihr nicht. Der EU-Führerschein reicht für Autovermieter und
auch die Polizei völlig aus.
(Dieses vereinfachte Verfahren gilt nur, wenn ihr Staatsbürger eines der alten EU-Staaten seid.)
1.4 Gepäck (Hinweise auf Wetter)
Lufthansa und AirCanada erlauben auf Langstreckenflügen 2*23kg Gepäck. Ich würde mich stark wundern,
wenn jemandem diese Menge ausreicht, denn ihr müsst für die extremsten Witterungsbedingungen gerüstet sein.
Als ich im August in Calgary gelandet bin, waren sommerliche 25-30°C und keine Wolke am Himmel. Dieses
Wetter hielt sich etwa bis Mitte September. Ab dann wurde es schlagartig kälter und Ende September gab es
schon den ersten Schnee. Die Tiefstemperaturen von Ende November ließen mich dann eine neue Definition von
„kalt“ lernen. Bei -31°C Lufttemperatur und gefühlten -42°C muss man selbst für die 100m vom Wohnheim bis
zum nächsten Uni-Gebäude winterlich gekleidet sein und darf keinerlei Angriffsfläche bieten, d.h. eine
Terroristenmaske, lange Unterwäsche, Handschuhe, dicke Socken und gute Stiefel sind absolute Pflicht.
Allerdings gibt es ein Sprichwort, das besagt: „Wenn dir das Wetter in Calgary nicht gefällt, warte 10 Minuten.“
Es kann durchaus vorkommen, dass es morgens -20°C hat und dann nachmittags schon +5°C sind. Dieses
Phänomen wird durch einen warmen Westwind, den „Chinook“ ausgelöst. Der Boden ist dann allerdings so kalt,
dass die Schneedecke nicht mehr schmilzt. Aufgrund dieser extremen Schwankungen ist es ratsam sich nicht in
ein oder zwei extrem warme Kleidungsstücke zu stecken, sondern sich in vielen Schichten zu kleiden, so dass
man sich den entsprechenden Bedingungen laufend anpassen kann.
Die normalen Temperaturen bewegen sich ab Mitte Oktober zwischen +5°C und -10°C. Dieses fühlt sich aber
aufgrund der trockenen Luft deutlich wärmer an als entsprechende Werte in Hamburg.
Einen Regenschirm könnt ihr dagegen getrost zuhause lassen. In den ganzen 4 Monaten hat es 3 Tage geregnet.
1.5 Anreise (Flugzeug, Auto, Bahn, etc)
Direktflüge nach Calgary gibt es von Frankfurt(Air Canada) oder London Heathrow(Air Canada oder British
Airways). Ich bin über London geflogen und die Flüge waren trotz der Umstände (Hinflug: vereitelte
Terroranschläge, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen; Rückflug: dichter Nebel) alle pünktlich. Die Flugdauer von
London nach Calgary beträgt ca. 9h. Geflogen wird täglich. Für meine Economy-Flüge mit Lufthansa und
AirCanada habe ich 1050€ bezahlt. Die günstigsten Flüge liegen wohl so bei 800€, allerdings nur, wenn man
nicht direkt vor Weihnachten zurückfliegt. Hierbei gilt unbedingt „First come, first serve.“
2. Unterkunft und Verpflegung
2.1 Unterkunft (verschiedene Möglichkeiten mit Wertung)
Die Stadt Calgary boomt. In den letzten Jahren hat ein großer Zuzug stattgefunden. Das macht Wohnraum knapp
und vor allem teuer. Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, die auch noch in der Nähe der Universität oder des CTrains
liegt, der sollte auf jeden Fall spätestens Mitte August in Calgary sein. Die Suche kann dann über die
Online-Liste der Students’ Union, die Aushänge in der Universität und die lokalen Zeitungen erfolgen. Es ist
unbedingt ratsam, ein Zimmer in der Nähe der Universität oder einer der Bahnhöfe zu suchen, da das Warten auf
die nur bedingt zuverlässigen Busse bei -30°C nahezu unmöglich ist.
Die einfachere und unbedingt zu empfehlende Variante ist das Wohnheim auf dem Campus. Entstanden sind die
Gebäude aus dem Olympischen Dorf der Winterspiele von 1988. Die einzelnen Häuser sind in 2- und 4-
Personen-Apartments aufgeteilt. Diese Apartments bestehen aus einer sehr gut ausgestatten Küche, einem
großen Wohnzimmer, ein oder zwei Bädern, sowie einem eigenen Zimmer für jeden Studenten. Mit Ausnahme
des neusten, erst 1999 erbauten Gebäudes, sind alle Wohnheime mit einem Tunnelsystem untereinander und mit
allen anderen Universitätsgebäuden verbunden, was sich bei den kalten Temperaturen als durchaus praktisch
erweist. Ich selbst habe in dem neu erbauten Gebäude (Cascade Hall) gewohnt und kann nur sagen: „Macht das
unbedingt!“ Die Zimmer sind mit allen nötigen Möbelstücken ausgestattet. Bei Küchenutensilien und Bettzeug
muss man entweder auf seine kanadischen Zimmerkollegen hoffen, sich die gebrauchten Gegenstände im
International Student Center abholen oder dem örtlichen IKEA einen Besuch abstatten.
Die Anmeldung erfolgt online, sollte aber so früh wie möglich durchgeführt werden, da das Wohnheim
sehr beliebt und meistens Ende April schon restlos ausgebucht ist. Die Kosten für ein Semester betragen je nach
Gebäude und Apartmentgröße zwischen 2.000 CAD und 2.500 CAD.
2.2 Verpflegung (Kosten)
Wer sich nicht in der eigenen Küche verpflegen möchte, hat auf dem Campus alle Möglichkeiten. Die Mensa
bietet typisch amerikanisches Fast Food, außerdem sind alle großen Fast Food Ketten, wie A&W, Subway und
asiatische Grills, auf dem Campus vertreten. Die Preise liegen dabei etwa auf deutschem Fast Food-Niveau.
Den Einkauf für die eigene Küche führt man am Besten bei einem der zahllosen Safeways durch. Hier findet
man bis auf gutes Brot alles, was das Herz begehrt. Die Preise liegen allerdings ca. 10-20% über denen in
deutschen Supermärkten. Gleich beim ersten Einkauf sollte man die Safeway-Club-Card beantragen, mit der es
zahlreiche Ermäßigungen gibt.
Ein Geheimtipp ist der Calgary Farmers’ Market. Dieser Markt ist mit einem deutschen Wochenmarkt durchaus
vergleichbar, nur das er in Calgary natürlich drinnen stattfindet. Außerdem findet man hier eine deutsche
Bäckerei und glaubt mir, nach ein paar Wochen braucht ihr mal ein gutes Brot oder ein paar Brötchen.
Absolut Pflicht ist ein Besuch in einem der zahlreichen Steakhäuser. Alberta Beef ist angeblich nach Argentinien
das zweitbeste Fleisch der Welt.
Wer das ein oder andere alkoholische Getränk erwerben möchte, wird in den Supermärkten vergeblich suchen.
Alkohol wird nur in „Liquor Stores“ verkauft und ist deutlich teurer als in Deutschland. Trinken in der
Öffentlichkeit ist strengstens verboten. Im Wohnheim ist das Trinken nur in den Apartments nicht aber in den
Lounges erlaubt.
Im Restaurant sind die Preise deutlich günstiger als in Deutschland, außerdem ist Wasser kostenlos. In den
Preisen ist allerdings kein Service enthalten.
3. Hochschule
3.1 Einschreibung
Die Einschreibung erfolgt über das gleiche Formular wie die Anmeldung an der Uni. Alle Kurswahlen können
bis zum Ende der zweiten Vorlesungswoche vor Ort noch geändert werden. Es ist auf keinen Fall ratsam mehr
als die von der NAK geforderten 4 Kurse zu belegen, da der Arbeitsaufwand bei 4 Kursen schon recht hoch ist
und ein Kurs ca. 1.500 CAD kostet. Es bietet sich an, einen dieser Kurse als „audit only“ zu belegen, da diese
Kurse dann nur die Hälfte kosten. Leider müsst ihr mindestens 3 Kurse voll belegen, um den Status eines „Full-
Time-Student“ zu erhalten. Dieser Status ist für das Wohnen im Wohnheim und die Benutzung aller
Freizeitmöglichkeiten zwingend erforderlich.
Die Bezahlung erfolgt entweder über Scheck oder über Kreditkarte spätestens bis zum Ende der zweiten
Vorlesungswoche. Beachtet dabei unbedingt euer Kreditkartenlimit.
3.2 Belegung von Lehrveranstaltungen
Die meisten Lehrveranstaltungen bestehen aus 3h Vorlesungen die Woche und einem zusätzlichen Tutorial. Die
Prüfungsleistungen unterscheiden sich von Fach zu Fach. Es gibt mindestens zwei Klausuren. Diese sind zumeist
multiple-choice. Dazu kommen Haus- und Gruppenarbeiten.
Das Niveau der Kurse ist dabei um einiges niedriger als an der Nordakademie. Über die Anerkennung von
Kursen an der Nordakademie habe ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht, sondern habe mir einfach 4
Kurse aus dem Angebot der UofC ausgesucht, die mich interessiert haben. Dabei gibt die Nummer der Kurse das
Level an. 300er Kurse sind für die Semester Drei und Vier, 400er Kurse für das 3. Studienjahr vorgesehen. Wer
Master-Kurse belegen möchte, benötigt dazu die Genehmigung des Fachbereichsleiters.
Die Disziplin der Studenten, vermutlich auch aufgrund der hohen Studiengebühren, ist sehr hoch. Die
Anwesenheitsquote liegt bei über 80%, obwohl es keine Anwesenheitspflicht gibt. Für jeden Kurs benötigt man
ein Lehrbuch. Diese kann man im universitätseigenen Bookstore erwerben. Die Preise haben es in sich.
Zwischen 90 CAD und 130 CAD pro Buch muss man rechnen. Am Ende des Semesters können die meisten
Bücher wieder zurückgegeben werden, wobei man 40% des Kaufpreises zurückerhält.
3.3 EDV –Anlagen (Internet)
Auf dem gesamten Campus gibt es ein sehr gut funktionierendes WLAN, im Wohnheim zusätzlich auch noch
ein Kabel-Netzwerk. Außerdem gibt es einige große Computerräume und einen kompetenten IT-Service.
3.4 Sport und andere Freizeitangebote
Das Prunkstück der UofC ist mit Sicherheit die Sport-Fakultät. Hier können alle Studenten kostenlos die
Einrichtungen nutzen. Dazu gehören ein großes Fitnessstudio, eine Schwimmhalle, eine Eislaufbahn und
mehrere große Sporthallen. Diese haben wir regelmäßig zum „Soccer“ reserviert. Bis Mitte September sind auch
die Außenanlagen mit Tennis- und Fußballfeldern nutzbar.
Zusätzlich zu den Sportaktivitäten wird durch die Students’ Union und das International Student Center ein
großes Freizeitprogramm geboten. Jeden Montag gibt es relativ aktuelle Kinofilme auf Großbildleinwand in
einem der Vorlesungssäle. Ausflüge nach Edmonton, Drumheller und Banff werden genauso organisiert wie ein
Besuch eines NHL-Spiels der Calgary Flames.
Auch bei den Freizeitmöglichkeiten gilt: „Das schönste an Calgary ist die Nähe zu den Rocky Mountains.“ Im
Sommer lockt die außergewöhnliche Landschaft mit ihrer Tierwelt. Wer es darauf anlegt, kann auch Bären in
Natur erleben. Hierbei ist ein großer Sicherheitsabstand mehr als ratsam. Der Eintritt in die Banff National Park
kostet für eine Gruppe ca. 18 CAD am Tag. Deshalb solltet ihr euch gleich am ersten Tag überlegen, einen
Gruppenjahrespass für 130 CAD zu erwerben. Ein „Touri-Wochenende“ im Sommer ist Pflicht. Dazu gehören
Banff, Johnston Canyon, Lake Morraine und Lake Louise. Dazu sollte man ein paar Tage dazu nutzen, abseits
der Touristenpfade die eine oder andere Wanderung zu unternehmen.
Ab Anfang November bietet der Banff National Park zwei weitere große Highlights: die Skigebiete von
Sunshine Village und Lake Louise. Beide Resorts bietet wunderschöne Pisten, moderne Liftanlagen und vor
allem den berühmten „Champagne Powder“. Einen solchen Schnee wird man in Europa nicht finden. Wer
häufiger Skifahren gehen möchte, sollte sich die Discount Karten „Louise Card“ und „Sunshine Marmot Card“
kaufen. An der Uni finden sich eigentlich für jedes Wochenende Gruppen zusammen, die gemeinsam ein Auto
mieten, um die 1,5h Fahrt in die Berge zu unternehmen. Wer mehr als einen Tag Zeit hat, kann auch in einem
der sehr schönen HI Hostels in Lake Louise oder Banff übernachten. Skier/Snowboards kann man direkt an der
Universität zu einem günstigen Preis mieten oder Anfang Oktober in einem der Outlet Stores günstig erwerben.
Ich habe mir ein komplettes Paket mit Skiern, Bindungen und Stöcken für 200 CAD gekauft und dann Ende
Dezember wieder für fast genauso viel weiterverkauft.
Wer Anfänger auf den Brettern ist oder es einfach mal einen Tag oder nur ein paar Stunden ausprobieren will,
der kann auch in Calgary im Canada Olympic Parc die Piste unsicher machen. Außerdem lohnt sich der Besuch
der alten Olympiaanlagen mit einer kostenlosen Führung. Ganz Wagemutige können auch im Zweier-Bob an den
Start gehen (natürlich nur als Mitfahrer).
Für die abendlichen Aktivitäten bietet sich zunächst „The Den“ an. Diese Kneipe liegt auf dem Campus und
wird von der Students’ Union betrieben. Während sie jeden Mittwoch Treffpunkt aller internationaler Studenten
war ist Donnerstag der traditionelle Disco-Tag. Wer dem Campus entfliehen möchte, für den bieten sich das
Szene-Viertel Kensington und die 17th Ave SW an. Allerdings fährt der letzte Zug zur Uni bereits um 1:00 und
der erste Zug am Wochenende erst wieder um 7:00 morgens. Daher kommt man um die Heimfahrt im
überteuerten Taxi nicht herum. Als Altersnachweis reicht der deutsche Personalausweis aus. Es wird jedoch
streng kontrolliert. Der Ausweis wird grundsätzlich beim ersten Mal eingescannt und danach wird anhand eurer
ID geprüft, ob ihr schon mal Ärger gemacht habt.
4. Kontaktmöglichkeiten
Ende August findet eine „International Student Orientation“ statt. Dies ist die beste Möglichkeit andere
ausländische Studenten kennenzulernen. In der Woche vor Semesterbeginn findet die UofC101 statt. Dies ist
eine Orientierungswoche für alle neuen Studenten. Meldet euch am Besten zu der Variante für Transfer Students
an, da die „große“ 101 für Erstsemester gedacht ist.
Auf dem Campus gibt es knapp 200 Clubs, denen man sich anschließen kann. Vom Diskutierclub über Ski-Club
bis zur Lernrunde ist hier alles vertreten. Während der ersten Vorlesungswoche stellen sich alle Clubs im
McEwan Student Center vor.
Wer in einer der Sportarten Volleyball, Basketball, Ice Hockey oder Fussball einigermaßen gut ist, kann sich
einer der Freizeitligen anschließen. Die Profis unter euch messen sich in den Wettbewerbsligen oder schließen
sich sogar dem Uni-Team, den UofC Dinos an.
5. Was man gesehen und getan haben sollte
Die Liste ist lang. Besuche in Drumheller und Edmonton sind ein Muss. Wer die „Reading Days“, eine
vorlesungsfreie Woche im November, nicht zum Studieren sondern zum Reisen nutzen möchte, der sollte auch
über einen Trip nach Vancouver nachdenken. Wer noch mehr Zeit hat, kann von dort aus über Seattle nach San
Fransisco fahren. Rechtzeitige Buchung vorausgesetzt lassen sich hierfür auch günstige Flüge bei Westjet und
AirCanada bekommen.
5.1 Öffentliche Verkehrsmittel
In Calgary selbst gibt es zwei Bahnlinien und jede Menge Buslinien, die man als Student kostenlos nutzen kann.
Die Taktung und Pünktlichkeit sind allerdings nicht mit dem HVV zu vergleichen.
Ich habe mir gleich im August ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Diese Anschaffung hat sich aber keinesfalls
gelohnt, da der Winter schon so früh Einzug hält und ich nach jeder Fahrt durch den Schneematsch die gesamte
Kleidung waschen musste.
5.2 Fortbewegungsmöglichkeiten innerhalb des Landes
Entfernungen sind groß in Kanada. Als große Stadt ist nur Edmonton bequem mit dem Auto zu erreichen(ca.
300km), während Vancouver schon 1200km entfernt ist. Zugverbindungen von und nach Calgary gibt es keine.
Alternative zum Mietwagen ist da entweder das Flugzeug oder der Greyhound-Bus. Eine Bustour von Calgary
nach Vancouver dauert dabei etwa 16 Stunden und kostet um die 80 CAD. Flüge waren schon ab 150 CAD (oneway)
zu bekommen.
6. Verhaltenshinweise
Grundsätzlich ist die kanadische Kultur sehr europäisch. Ein paar Unterschiede gibt es dennoch. Gerade beim
Umgang mit Alkohol und Zigaretten ist Vorsicht angesagt. In der Öffentlichkeit ist das Trinken strikt untersagt.
Erworben werden kann jede Art von Alkohol nur unter Vorlage eines Altersnachweises (Mindestalter: 18) in
einem Liqour Store und ist sehr teuer. Das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Gaststätten und
Pubs ist verboten. Wer rauchen will, muss vor die Tür, was gerade bei den Temperaturen nicht immer ein Spaß
ist. Wer gegen diese Regel verstößt zahlt z.B. an der Uni eine Strafe von 500 CAD.
Ansonsten gilt die Grundregel „Höflichkeit ist Trumpf“. So entschuldigen sich Kanadier für praktisch alles, was
einen auch nur im Geringsten gestört haben könnte. Auf ein „Thank you“ wird „You are welcome“ erwidert.
Dementsprechend stellt sich der Straßenverkehr weit ruhiger dar als in Deutschland.
Geschwindigkeitsbegrenzungen hält man in der Regel ein (Highway 110km/h, Landstraße 90km/h, Ortschaften
50 km/h). Strafen für zu schnelles Fahren sind exorbitant hoch.
7. Sonstiges
Am Ende gibt es nur noch zu sagen, dass ich es jedem nur empfehlen kann ein Auslandssemester zu machen.
Calgary ist dabei mit Sicherheit eine sehr gute Adresse, gerade für diejenigen von euch, die nach einer englischsprachigen Hochschule in Nordamerika suchen, sich aber nicht für die USA begeistern können. Wichtige
Grundvoraussetzung ist jedoch, dass ihr einen schönen Winter mögt. Ansonsten solltet ihr euch eher um
Australien bemühen. Leider hat das ganze auch einen stolzen Preis. Insgesamt habe ich für die 4 Monate 12.600
€ ausgegeben, wobei darin wirklich alles von Miete, Flug, Studiengebühren über Verpflegung bis hin zum
Freizeitvergnügen enthalten ist.
Wenn euch das nicht abschreckt und ihr noch weitere Fragen habt, meldet euch gerne bei mir!
Kontakt:
Juljan Pöhlsen
juljan.poehlsen@nordakademie.de
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