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Linköping - Universität Linköping - 2006

Erfahrungsberichte von Studierenden, die in Schweden ihr Auslandssemester absolviert haben

Linköping - Universität Linköping - 2006

Beitragvon Adam Dubielecki am Do 28. Feb 2008, 19:45

"Dieser Erfahrungsbericht wurde von einem FH Nordakademie Studenten geschrieben. Es handelt sich in diesem Bericht um eine Partnerhochschule. Somit sind die Infos zum Bewerbungsverfahren evtl. irrelevant."


1. Vorbereitungen
1.1 Informationen zum Bewerbungsverfahren (Vorgehen/Fristen)
Wer sich für ein Auslandssemester an der Universität in Linköping/Schweden entschieden hat, der sollte sich frühzeitig um die Bewerbung für das Auslandssemester kümmern, da die Bewerbungsfrist für das „Autumn Semester“ (von Anfang/Mitte August bis Mitte Januar) jeweils am 15. April des Jahres ausläuft. Weiterhin ist zu beachten, dass die Hochschule „nur“ 3 Plätze für Austauschstudenten von der Nordakademie anbietet. Zur Not muss also das Los entscheiden.
Das eigentliche Bewerbungsverfahren ist recht unkompliziert. Nachdem man ein Online-Formular auf der Homepage der Universität (http://www.liu.se) ausgefüllt und ausgedruckt hat, schickt die Nordakademie das Formular zusammen mit dem „Transcript of Records“ und dem Empfehlungsschreiben der Englisch-Dozenten nach Linköping. Die Kurse müssen zusammen mit der Abgabe des Online-Formulars gewählt werden (siehe unten).
Weiterhin ist wichtig, dass man sich separat zur gleichen Zeit um ein Zimmer in Linköping kümmert (hierzu mehr unter Punkt 2.1).

1.2 Versicherungen
Für ein jedes Auslandssemester gilt ausreichend versichert zu sein. Hierzu gehört vor allem die Krankenversicherung, die innerhalb von Europa und er Europäischen Union kein größeres Problem mehr darstellt. Die beste Möglichkeit bietet eine Europäische Krankenversichertenkarte, die mittlerweile fast jede Krankenkasse in Deutschland anbietet (meine Krankenkasse: TK). Sollte dies nicht der Fall sein, so solltet ihr euch das Formular E120 von eurer Krankenkasse holen und euch informieren, welche ärztlichen Versorgungen damit abgedeckt sind. Zur Not müsst Ihr eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Zahnarztbesuche sind jedoch auch damit nicht abgedeckt
und werden in Schweden sehr teuer. Daher besucht vor der Abreise lieber noch einmal den Zahnarzt zu Hause.
Darüber hinaus solltet Ihr prüfen, ob eure Versicherungen wie Hausrat, Haftpflicht und Rechtsschutz auch im Ausland gelten.

1.3 Visum (Aufenthaltsrecht)
Da Schweden ein Mitglied der EU ist, bedarf es für einen EU-Bürger kein Visum. Jedoch besteht die Pflicht sich nach 3 Monaten bei den schwedischen Behörden zu melden. Ein Formular dazu kann im Internet gefunden werden (http://www.migrationsverket.se/english.jsp). Ein Personalausweis reicht völlig aus. Wer jedoch überlegt ein Abstecher nach Russland oder Estland zu machen (es werden vom ESN solch lukrative Reisen angeboten), der sollte einen Reispass dabei haben.

1.4 Gepäck
Für den Aufenthalt in Schweden von Mitte August bis Mitte Januar braucht man nahezu alles an Kleidung was man sich denken kann. Von Mitte August bis Mitte September konnte ich leichte Sommerkleidung tragen und es war sogar möglich Beachvolleyball zu spielen. In den Monaten Oktober bis Januar kann es dann schon sehr kalt werden. Jedoch solltet Ihr euch auf das nötigste beschränken, da sonst nur eine Anreise mit dem Auto zu empfehlen ist.

1.5 Anreise
Die Anreise nach Linköping ist sowohl mit dem Auto als auch mit dem Flugzeug möglich. Da ich die Anreise mit dem Auto bevorzugt habe, werde ich mich hier mit meinen Schilderungen weitestgehend auf die Anreise mit dem Auto beschränken.
Mit dem Auto nach Linköping braucht man etwa 9-10 Stunden und es entstehen Kosten, je nach Auto (Ich bin mit einem Mercedes angereist), von 250-350 Euro. Diese sind zum großen Teil auf die Fähre zwischen Puttgarden und Rödby (ca. 55 Euro) sowie der Öresundbrücke (ca. 30 Euro) und dem Spritverbrauch zurück zu führen. Anzuführen ist dabei, dass es möglich ist ein Kombiticket für die Fähre und die Öresundbrücke zu kaufen. Dies hat zwar den Vorteil, dass man das nicht zweimal machen muss, aber einen finanziellen Vorteil gibt es dabei nicht. Der Spritpreis in Schweden bewegt sich in etwa in dem Rahmen wie in Deutschland oder leicht darunter. In Dänemark
zu Tanken würde ich nicht empfehlen, da der Spritpreis dort etwas über dem Niveau von Deutschland liegt.
Die Anreise per Flugzeug ist meines Wissens am günstigsten mit Ryanair, die den Flughafen in Nyköping anfliegen. Dieser liegt etwa 100 km von Linköping aus entfernt. Mit dem Bus kann man dann nach Linköping fahren. Eine Anreise mit dem Flugzeug würde ich aber aufgrund der Gepäckbegrenzung nur bedingt empfehlen.


2. Unterkunft und Verpflegung
2.1 Unterkunft
Die einfachste und schnellste Möglichkeit an eine Unterkunft zu kommen ist zusammen mit der Bewerbung für das Auslandssemester auch eine Bewerbung für ein Zimmer in Linköping abzuschicken.
Wichtig hierbei: Die Bewerbungen müssen getrennt abgeschickt werden!
Die Universität in Linköping hat verschiedene Zimmer von Studentbostäder, der Studentenzimmervermittlung (http://www.studentbostader.se), gemietet, die jeweils an Erasmusstudenten verteilt werden können.
Dabei handelt es sich vornehmlich um so genannte „Korridorzimmer“ in den Studentenvierteln Ryd und Flamman. Die Zimmer sind recht geräumig (ca. 25 qm) und haben ein eigenes Bad. Die Küche teilt man sich mit 7 weiteren Korridorbewohnern, wobei dies meist Schweden sind.
Hat man das Pech und bekommt kein Zimmer mehr über die Universität, so kann man auch direkt über Studentbostäder ein Zimmer mieten. Hierzu solltet Ihr euch vorsorglich recht schnell online auf der Seite der Studentenvermittlung registrieren, da man für jeden Tag, den man registriert ist, einen Punkt bekommt. Diese sind nachher wichtig in der Vergabe der Zimmer. Nur wer ausreichend Punkte hat, kann auch ein Zimmer bekommen.
Solltet ihr den Weg über Studentbostäder einschlagen achtet darauf, dass Ihr zum Einen ein möbliertes Zimmer nehmt und das es am besten in Ryd ist, da sich hier die meisten Austauschstudenten befinden. Ich selber habe über Studentbostäder ein Apartment (mit Küche) für 3418 Kronen gemietet (140 Punkte waren dafür ausreichend). Die Korridorzimmer kosten alle um die 2500 Kronen.

2.2 Verpflegung (Kosten)
Einkaufsmöglichkeiten für diejenigen, die ein Zimmer in Ryd bekommen haben, gibt es direkt in Ryd-Centrum (Hemköp, ca. 5 Min. Fußweg) oder aber in der Nähe von IKEA (Willy’s, ca. 10 Min. mit dem Fahrrad) im Industriegebiet Tornby. Neben IKEA und Willy’s gibt es im Industriegebiet auch Elektroläden und einen Baumarkt. Die Verpflegungskosten in Schweden liegen gerade was die Kosten für Fleisch angeht über dem Niveau in Deutschland (ca. 5-20%). Wer wirklich günstig einkaufen möchte, der kauft entweder die Billigmarke Eldorado (hiervon sind z.B. die Kottbullar oder aber der Kochschinken zu empfehlen) oder aber in Willy’s.

2.3 Internet und Telefon
Ins Internet kommt man hier in Linköping relativ leicht. Zum einen kann man jeder Zeit an der Uni ins Internet gehen, zum anderen gibt es in den Zimmern von Studentbostäder eine Netzwerksteckdose an die man sich anschließen kann. Beim erstmaligen öffnen des Browsers erscheint dann zunächst eine Website auf der man seinen Tarif für das Internet aussuchen kann. Hier gibt es Tarife für 15 oder 20 €. Ich persönlich habe mir eine Volumenflatrate mit 20 GB incl. für 15 € genommen, die für normale Tätigkeiten wie surfen, chatten und gelegentlich im Internet spielen vollkommen ausreichend war. Möchte man jedoch auf Internetfernsehen nicht verzichten, so ist die Flatrate für 20 € zu empfehlen.
Telefonieren kann man hier in Schweden relativ günstig mit einer Prepaidkarte von Comviq. Diese bekommt man am Anfang von Kerstin Brolén (Koordinatorin für das International Office an der Universität) mit einem Guthaben von 25 Kronen ausgehändigt. Lädt man diese Karte nun alle 30 Tage mit 200 Kronen (Comviq Amigo Card) auf, so kann man abends nach 18 Uhr für nur 50 Öre nach Deutschland telefonieren und zu Allen, die auch den Tarif „Comviq Amigo“ haben sogar kostenlos. Dies hat im weiteren Verlauf des Auslandssemesters auf jeden Fall Vorteile. Möchte man jedoch nicht alle 30 Tage 200 Kronen für das Telefonieren ausgeben, so kann man auch auf Skype und andere Prepaidkarten hier in Schweden zurückgreifen.


3. Hochschule
3.1 Einschreiben
Die erste Station in Linköping sollte, sofern man sein Zimmer bezogen hat, auf jeden Fall das International Office im Zenit-Building sein. Dort bekommt man zunächst hilfreiche Informationen zum weiteren Vorgehen. Diese Informationen umfassen u.a. eine Liste die sich direkt um das Einschreiben kümmert aber auch praktische Informationen, wo man z.B. sein Fahrrad kaufen kann.
Auf der Liste steht z.B. auch, dass man zunächst seinen Studentenbeitrag (ca. 30 Euro) für die Studenten Union zahlen muss. Umständlich wird das Einschreiben und Organisieren der ganzen Sachen dadurch, dass zwischen den einzelnen Schritten zum Teil Mindestwartezeiten bestehen. Aber auch dadurch, dass man schon mal vor sich 200 wartende Studenten haben kann.

3.2 Belegung der Lehrveranstaltungen
Die Wahl der Lehrveranstaltungen erfolgt mit der Bewerbung. Den Studenten der Nordakademie stehen alle englischen Vorlesungen der Technischen Fakultät (LiTH) offen. Kurse auf Schwedisch können nur mit nachgewiesenen Schwedischkenntnissen belegt werden. Für Kurse anderer Fakultäten habe ich mich nicht eingetragen. Diese können meines Wissens aber auch nicht so ohne weiteres gewählt werden. Trotzdem man seine Kurse mit der Bewerbung gewählt hat, muss man sich am Anfang des Semesters noch einmal auf der LIU-Homepage registrieren. Um- und Nachwahlen von Kursen ist nach Absprache meist möglich. Bei der Wahl der Lehrveranstaltungen ist es wichtig darauf zu achten, dass es keine Überschneidungen gibt. Außerdem sind mehr als 4 Kurse pro Periode nicht empfehlenswert.

3.3 Besuchte Lehrveranstaltungen
Orientation Week:
Die Orientation Week ist zwar keine Lehrveranstaltung, sollte aber für jeden Studenten obligatorisch sein, da man hier weitere hilfreiche Inforamtionen für den Aufenthalt in Schweden bekommt und außerdem gleich Bekanntschaften schließen kann.

Software Engineering:
Der Kurse Software Engineering (TDDB62) dreht sich im Großen und Ganzen um das Designen von Software. Hierzu werden zunächst 10-12 Vorlesungen gehalten, die alle in der ersten Periode des Semesters liegen. Zum Abschluss wird eine Klausur geschrieben. Dies ist jedoch nicht alles für den „großen Kurs“, wie ihn Kristian (der Dozent) gerne genannt hat. Nebenher hat man Übungen im Labor, die vom Umgang mit UML bis hin zum Programmieren eines kleinen Interfaces reichen.
Dies alles mündet dann in ein größeres Projekt, welches man in 3 Gruppen zu je 6 Personen in der zweiten Periode des Semesters macht.
Die Vorlesungen sind meiner Ansicht nach nur bedingt zu empfehlen, da sie sich zum Teil sehr zäh hingezogen haben. Die Laborübungen sowie das Projekt jedoch sind auch für Nichtprogrammierer,  wie uns Wirtschaftsingenieuren, sehr empfehlenswert. Die Klausur als auch das Projekt werden einzeln bewertet und werden dann in einer Gesamtnote zusammengefasst.

Quality Technology:
Dies war mein mit Abstand bester Kurs an der Universität hier in Schweden. Der Dozent selber, noch recht jung, peppte die Vorlesung mit einigen Workshops auf. Der Inhalt jedoch musste unter dieser Art und Weise die Vorlesung zu halten nicht leiden. Der grundlegende Sinn der Veranstaltung ist es dem Studenten Methoden zur Analyse von Daten eines Prozesses aufzuzeigen und an die Hand zugeben. Die Abfrage der gewonnenen Kenntnisse erfolgt in drei Assignments. Hierbei sind zunächst Graphen und dann ein ganzer (beliebig zu wählender) Prozess zu analysieren. Neben den eigentlichen Vorlesungen müssen jedoch auch Seminare z.B. zum Umgang mit Minitab belegt werden. Diese sind nur bedingt vorteilhaft gewesen.

E-Commerce and business development:
Der Kurs ist für einen Einführungskurs in E-business sehr gut. Die Vorlesungen werden mit Seminaren u.A. durch Case Studies „DELL CASE“ und „TETRA PAK“ abgerundet. Das Prüfungsverfahren wechselt ständig. In diesem Jahr wurde ein Assignment als „Case Studie B2C“ und eine Klausur in der letzten Vorlesung geschrieben.

Computer Security:
Wie auch die Vorlesungen in Software Engineering sind die Vorlesungen in Computer Security nur bedingt zu empfehlen. Jedoch sind die Laborveranstaltungen zum Thema Firewall und Biometrics sehr interessant gestaltet und lassen einen tieferen Einblick in das Thema Computer Security geben. Die letzte Vorlesungsveranstaltung wird dazu genutzt um eine Präsentation von unzureichend geschützten Systemen zu geben. Hierbei werden u.A. Computer fremd gesteuert oder aber Lauschangriffe via Handy simuliert. Am Ende wird eine vierstündige Klausur geschrieben. Die zur Verfügung gestellte Zeit reicht jedoch sogar für 2 Klausuren gleichen Typus. Ein Zeitproblem sollte also nicht entstehen.

3.4 Bibliothek
Für die Technische Fakultät gibt es eine eigene Bibliothek im C-Building. Diese ist, wie die gesamte Uni, sehr gut ausgestattet und bietet sehr viel englischsprachige Fachliteratur. Auch die Öffnungszeiten, teilweise bis 22 Uhr, sind hervorragend.

3.5 EDV –Anlagen (Internet)
Über den gesamten Campus verteilt gibt es Computerräume (Knutpunkten) in denen man an PCs und Macs arbeiten und surfen kann. An den Fachbereichen der Technischen Fakultät gibt es darüber hinaus Sun-Terminals, die vor allem für die Laborübungen genutzt werden, die aber in der übrigen Zeit auch von den Studenten der Technischen Fakultät genutzt werden können.
Der komplette Campus ist darüber hinaus WLAN-versorgt mit dem jeder Student ins Internet gelangen kann.

3.6 Mensa
Auf dem Campus gibt es ein reichhaltiges Verpflegungsangebot, von der Salatbar über Imbissstände bis zum Burger ist alles dabei. Preislich ist das Ganze allerdings nicht ganz billig. Gut und günstig bekommt man Sandwichs im Keller des Korallen-Buildings und ganze Mittagessen im Erdgeschoss von Vallfarten, wo es auch vergünstige 10er-Essens-Karten gibt.
Über den gesamten Campus verteilt gibt es auch viele Mikrowellen, vor denen sich zur Mittagszeit aber teilweise sehr lange Schlangen bilden.

3.7 Sport und andere Freizeitangebote
Das populärste Fitnessstudio ist sicherlich Campushallen (http://www.campushallen.se), direkt auf dem Campus mit einem umfangreichen Angebot. In der Innenstadt von Linköping gibt es ein Schwimmbad. In Ryd gibt es ein Volleyballfeld und zwei Tennisplätze, die man genauso wie zwei
Saunen von Studentbostäder nach vorheriger Reservierung kostenfrei nutzen kann.
Bei schönem Wetter lohnt immer ein Ausflug nach Bergs Slussar, das direkt am Roxen-See liegt und von Linköping mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist (ca. 12 km).

3.8 Studentenrabatte
Rabatte für Studenten gibt es in vielen Geschäften und Nachfragen lohnt sich fast immer, denn Linköping ist eine Studentenstadt. Außerhalb Linköpings ist v.A. die Mercenant Karte wichtig, die einheitliche schwedische Studentenrabattkarte, die man ca. 1 Monat nach Studienbeginn zugeschickt bekommt.


Da nicht alle Artikel ständig auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft werden können, gibt es hierfür keine Garantie. Solltet ihr über tote Links oder E-Mail Adressen stolpern, bitte kurze Info an uns, dann können diese angepasst oder entfernt werden.
Modus: "Rock my Life!" - ...du bestimmt was du bist...und was du wirst!
Adam Dubielecki
 
Beiträge: 46
Registriert: Di 20. Nov 2007, 13:34
Hochschule: FH Nordakademie in Elmshorn
Auslandssemester in: Cape Town
Auslandssemester an: University of Cape Town

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