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Gran Canaria - Universidad de Las Palmas de Gran Canaria '06

Erfahrungsberichte von Studierenden, die in Spanien ihr Auslandssemester absolviert haben

Gran Canaria - Universidad de Las Palmas de Gran Canaria '06

Beitragvon Adam Dubielecki am Mo 14. Jan 2008, 12:13

1. Einleitung
Ich habe mich entschlossen, in diesem Erfahrungsbericht etwas mit den Formalitäten zu brechen und nicht das gesamte Standardprozedere von Reisevorbereitung über Anreise bis Unterkunft und Verpflegung abzuarbeiten, da ich der Meinung bin, dass diesen Themen bereits von anderen Personen genug Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Deshalb werde ich mich in diesen Punkten kurz fassen und dafür mehr über die Dinge schreiben, zu denen ich mir mehr Informationen gewünscht hätte und nicht vorgefunden habe.

1.1 Gepäck
Eigentlich ist klar, was man einpackt, wenn man für die nächsten Monate auf die Kanarischen Inseln verschwindet. Allerdings ist zu bedenken, dass es in den Bergen eigentlich fast immer windig ist und deshalb warme Kleidung für Ausflüge in die höheren und sehr schönen Regionen GCs von Vorteil ist. Ich bin das erste Mal in T-Shirt und FlipFlops da hoch....es regnete, war windig, saukalt und ich etwas frustriert.

1.2 Anreise
Vom Flughafen kommt man ganz entspannt für 2 € mit dem Guagua Global nach Las Palmas. Es geht auch mit viel Gepäck – ich hatte einen Koffer, eine Gitarre, einen Rucksack, ein Notebook und ein riesigen Karton mit Fahrrad dabei und alles lief mehr oder weniger würdevoll ab.
An der Busstation in Las Palmas stehen ein Haufen Taxen herum, sodass man auch von dort gut wegkommt.


2. Unterkunft
Es gibt genau zwei günstige Pensionen in Las Palmas:

1. Hotel Alcaravaneras (http://www.canaryhostel.com) 14 € - 18 €
2. Falow Hostal (in google einfach „falow hostal gran canaria“ eingeben) ca. 15 €

Die erste hat eine eigene Küche mit Kühlschrank und eine Dachterrasse. Die Zimmer sind erträglich und das Bad, meiner Erfahrung nach, auch. Der zweiten Pension fehlt die Küche, sonst ist sie, soweit ich gehört hab, wohl ganz in Ordnung .

2.1 Wohnungssuche
Eine Wohnung zu finden kann sich unter Umständen als ganz großes Abenteuer herausstellen. Ich persönlich habe fast zwei Wochen gebraucht, um letztendlich eine schäbige und zu teure Wohnung zu finden, die ich mir mit 2 Italienern und einem Franzosen teilte.
Wir haben uns dann entschieden umzuziehen und bekamen natürlich Probleme mit der Vermieterin, die die gezahlte Kaution einbehalten wollte. Am Ende haben wir unser Geld bekommen, da wir damit drohten die Schlüssel zu behalten und uns evtl. an der Wohnungseinrichtung zu vergreifen - das ganze war ziemlich haarsträubend aber letztendlich ist alles gut ausgegangen. Resümierend und im Hinblick auf die Wohnungserfahrung anderer Erasmus-Studenten muss ich sagen, dass wohl öfter versucht wird, die etwas benachteiligte Situation der Auslandsstudenten auszunutzen. Ich möchte jedoch kein zu negatives Bild zeichnen, da ich auch viele gute Geschichten von Studenten gehört habe, die eine schöne und günstige Wohnung in Strandnähe gefunden haben, sondern lediglich zu etwas Aufmerksamkeit aufrufen.
Anlaufpunkte für Wohnungsangebote (besonders für WG-Zimmer) sind die Fakultäten der ULPGC in Tafira (ganz besonders die Fakuldad de Arquitectura), die Faculdad de Traducción e Interpretación am Obelisken, die Bolso de Vivienda de Jovenes (in der Straße Leon y Castillo, ganz in der Nähe des Parque San Telmo), die Faculdad de Medicina und eigentlich ist auch jeder Laternenpfahl potenzieller Kandidat. Viele Vermieter hängen auch direkt Schilder in die zu vermietenden Wohnungen, man sollte den Blick schärfen für die Worte „se alquila“ - gerade für Wohnungen in Strandnähe ist das eine gute Methode.


3. Welcome Week
Die von der ULPGC veranstaltete Welcome Week ist gut organisiert und es lohnt sich meiner Meinung nach, daran Teil zu nehmen. Ich selbst habe die Option C gewählt, d.h. keine Unterkunft im Studentenwohnheim, aber Teilnahme an allen Veranstaltungen. Die Unterkunft ist als Aufpreis relativ teuer.
Im Rahmen der Welcome Week erhält man die notwendigen Informationen zur Fakultät und dem verantwortlichen Koordinator und bei einem ersten gemeinsamen treffen werden die Formalitäten zur Anmeldung, Ausstellung des Studentenausweises usw. geklärt. Durch die Veranstaltungen und Feiern im Rahmen der Welcome Week knüpft man auch sehr schnell Kontakt zu den anderen Studenten.


4. Hochschule
4.1 Einschreibung
Es gibt zwei Informatikstudiengänge an zwei unterschiedlichen Fakultäten (Faculdad, 5 Jahre und Escuela, 3 Jahre), deren Kurse allerdings im gleichen Gebäude stattfinden. Es ist eine rein organisatorische Frage, an welcher der beiden man sich einschreibt. Der Aufwand ist jedoch geringer, wenn man sich an der Faculdad immatrikuliert, da die Verwaltung im gleichen Gebäude ist.
Die Immatrikulation erfolgt bereits in der Welcome Week, jedoch bleibt noch einige Wochen Zeit für die Kurswahl. Das gesamte Kursangebot hängt in der Fakultät aus und ist ziemlich deckungsgleich mit den Informationen auf der Internetseite.
Nachdem man sich für seine Kurse entschieden hat, kann man das Learning Agreement von dem Koordinator der eigenen Hochschule absegnen und zurück an die Koordinationsstelle der entsprechenden Fakultät schicken lassen. Viele Studenten hatten das Learning Agreement schon im Vorfeld erstellt und somit von Beginn an eine feste Kurswahl.

4.2 Lehrveranstaltungen
4.2.1 Allgemeines
In den meisten Kursen müssen praktische Arbeiten abgeliefert werden. Diese Praktika machen einen bedeutenden Teil der Gesamtnote aus. Sie werden über die Internetseite des Kurses bekannt gegeben und ein Abgabefrist gesetzt. Die Einreichung erfolgt meist online.

4.2.2 Inteligencia Artificial (Faculdad de Informatica)
Meiner Meinung nach ein empfehlenswerter Kurs. Man lernt LISP, theoretische Grundlagen der Künstlichen Intelligenz (Agentenprinzip, Regelbasierte Systeme, Entscheidungsbäume, Suchalgorithmen, Heuristiken) und ist am Ende in der Lage z.B. den kürzesten Weg zwischen zwei Strecken zu finden, einen Computergegner für Vier-Gewinnt zu programmieren oder ein Sudoku zu lösen.
Der Dozent ist freundlich und hat ein offenes Ohr für die Studenten, spricht allerdings sehr schnell.

4.2.3 Teoria de Sistemas (Faculdad de Informatica)
Diese Vorlesung habe ich genau einmal beigewohnt, weder ein Wort noch eine Gleichung und erst recht kein Schaubild verstanden und vergebe deshalb das Prädikat nicht empfehlenswert. Es wird grundlegende Kenntnis des Lesens von Schaltbildern und müheloses Differenzieren und Integrieren vorausgesetzt. Der Professor spricht unheimlich leise und undeutlich.

4.2.4 Sistemas Operativos - Programacion de Sistemas
Inhalt dieser Vorlesung ist die Systemprogrammierung unter Linux. Das bedeutet, neben einer Einführung in die Konzepte des Betriebssystems (Dateisystem, Prozesse und Prozessplanung, Synchronisation und Prozesskommunikation), das Arbeiten mit der C Systembibliothek, das Kennenlernen verschiedenster Systemcalls (z.b. Prozesssynchronisation von n Prozessen via Semaphore, eigene Implementierung von Free() und malloc()) und auch der Entwicklungswerkzeuge.
Die Dozenten sind beide total motiviert und man erhält wirklich viele Informationen und während der Vorlesung wird ständig die Theorie durch praktische Übungen vertieft. Ich habe es als sehr lehrreich empfunden.

4.2.5 Metodologia de Programacion 2 - Escuela de Informatica
Vom Lehrstoff her eine ganz interessante Vorlesung – man lernt C, Analyse von Algorithmen auf Effizienz und formale Beweise zur Korrektheit. Leider ist es eine wirkliche Vorlesung und man kann sich den Stoff anhand des Buchs auch selbst erarbeiten.

4.3 Bibliothek
Die Bibliothek der Informatikfakultät ist sehr gut ausgestattet und bietet von den meisten wichtigen Fachbüchern mehrere Exemplare, öfter auch in mehreren Sprachen – viele Bücher sind in Englisch erhältlich.
Die normale Leihfrist beträgt eine Woche, bei Nichteinhalten der Abgabefrist wird eine Sperre von einem Tag pro Exemplar pro Tag verhängt. Verlängern ist kein Problem solange niemand vorgemerkt ist.

4.4 EDV-Anlagen
Internetzugang gibt es in jedem der vielen Rechnerräume der Uni. Zugang über WLAN mit eigenem Notebook ist auch problemlos möglich. Generell findet man immer einen freien Rechner – die nicht alle besonders modern sind.

4.5 Mensa
Jede Fakultät besitzt eine eigene Cafeteria in der es verschiedene Snacks und Mittagessen gibt. Die Auswahl ist meist nicht so berauschend und Mittagessen ist mit 3,5 € teuer. Die Mensen unterscheiden sich von Fakultät zu Fakultät.


5. Sport und Freizeitangebote
Die Faculdad de Deportes bietet verschiedene Kurse an, über die man sich direkt vor Ort und auch auf der Internetseite informieren kann. Anmelden kann man sich normalerweise erst nach Semesterbeginn, jedoch hab ich auch schon anderes gehört. Es gibt eine Tarjeta de Deportes, mit der die Studenten einen Rabatt von ca. 50 % bekommen.


6. Clubs und Parties
Je nach Musikgeschmack kann in Las Palmas unterschiedlich gut gefeiert werden. Blackmusic, RNB und HipHop sind relativ stark vertreten, Rock, Punk und Reggae sucht man meistens vergeblich. In Triana gibt es viele gemütliche Bars (z.B. Charleston), von denen einige (El Bote, Perojo) bei den Erasmusleuten sehr beliebt waren.
Ich persönlich empfehle die Outdoor-Parties, bei denen sich die Leute einfach so draußen versammeln, Musik machen, trommeln, tanzen usw. und als ganz besonderes Ereignis den „Womad“, ein Festival mit viel Livemusik und absolut guter Stimmung.


7. Residencia
Das Thema Residencia (Zertifikat des Wohnsitzes) offeriert mannigfaltige Möglichkeiten zwischen Ämtern herumzuirren, sich in einem Bürokratiedschungel zu verlieren und die spanische Arbeitshaltung kennen zu lernen. Daher bietet sich sich als kultureller Ausflug geradezu an, ist aber sehr nervenaufreibend.
Ich persönlich hatte Glück und habe den kürzesten Weg genommen der existiert, jedoch nur, weil ich aus den Irrwegen anderer Studenten gelernt habe.
Die Residencia ist nötig, um Vergünstigungen beim Reisen zwischen den Inseln und auch Inlandsflügen zu bekommen (50 % Rabatt!), also ein wichtiges Dokument.

Um es in die Finger zu bekommen sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:
  1. Unter keinen Umständen einen Spanier fragen, wie das funktioniert und wo man als erstes was zu beantragen hat.
  2. Dieser Anleitung folgen und sich nicht von ahnungslosen Mitarbeitern der im Folgenden genannten Institutionen eines besseren belehren lassen, da sie mehrfach bewiesen haben, keine große Hilfe zu seien.
  3. Zur Policia gehen (Kreuzung der Straßen „Luis Doreste Silva“ und „Parque Doramas“) und den sogenannten N.I.E. beantragen. Dafür ist nichts weiter als eine Kopie des Reisepass oder Personalausweis nötig. Du musst einige Angaben zur Person machen (Wohnort in Las Palmas muss bekannt sein und als Begründung des Antrags kann man problemlos schreiben, dass man Reiserabatt nutzen möchte) und dann dauert es ca. 10-15 Tage bis du das Zertifikat abholen kannst.
  4. Mit diesem N.I.E., einer weiteren Kopie des Persos und dem Mietvertrag für die angegeben Adresse kannst du im Ayuntamiento (Calle Leon y Castillo, von der Policia ein Stückchen weiter Richtung La Isleta) die Residencia beantragen. Falls du keinen vernünftigen Mietvertrag bekommst, kannst du dir eine Wohnortsbestätigung in der Bolso de Vivienda de Jovenes besorgen (die rufen beim Vermieter an, lassen sich bestätigen, dass du da wohnst und stellen dir dann eine offizielle Wohnorstbestätigung aus). Eine andere Möglichkeit ist, sich von einem Bewohner der gleichen Wohnung, der selbst schon Residente, d.h. im Besitz der Residencia, ist eine Bestätigung des Wohnsitzes ausstellen zu lassen. Das Formular dafür bekommst du auch im Ayuntamiento.
  5. Nach ca. 4 Tagen kannst du die Residencia abholen und dir damit entweder die sog. Bonificacion de Viajes (ca. 3 €) besorgen oder die Tarjeta de Residentes (7 €) ausstellen lassen. Beide sind ausreichend, um den Reiserabatt zu erhalten, allerdings ist die Tarjeta 5 Jahre gültig und die Bonificacion nur 6 Monate.


8. Reisen und die Insel entdecken
Neben dem Studieren sollten Entdeckungstouren über die Insel – und auch die Nachbarinseln – nicht zu kurz kommen. Es lohnt sich mal für ein Wochenende ein Auto zu leihen und einfach drauflos zu fahren. Gerade im Westen der Insel finden sich einige Strände, die von Touristen unberührt sind und man kann campen und Feuer machen. Außerdem ist Gran Canaria übersäht von wunderschönen und auch relativ einsamen barrancos (Täler oder Schluchten). Als Orientierungshilfe dient einfach ein Reiseführer, sodass man gewisse Sehenswürdigkeiten ansteuern kann und auf dem Weg dahin die Insel kennenlernt. Ansonsten lernt man auch genug Insulaner kennen, die gerne Auskunft über schöne Fleckchen von Gran Canaria geben.
Ich empfehle auch sehr, mal einen Abstecher auf die Nachbarinseln zu machen und kann das Reisebüro „Marsan“ empfehlen, die, für eine Bearbeitungsgebühr von 3 €, alle Buchungen vornehmen. Mit dem Schiff kann man alle Inseln (evtl. via Teneriffe oder Fuerteventura) erreichen. Die Fähren von „Armas“ sind sehr günstig, die von „Fred Olsen“ dafür sehr schnell. Für eine Tour von Gran Canaria nach Teneriffe, nach La Gomera, nach La Palma, nach Teneriffe und zurück nach Gran Canaria, habe ich mit Residencia 58€ gezahlt. Flüge nach Lanzarote kosteten 45 € hin und zurück (http://www.binternet.com).


9. Versicherung
Zum Thema Versicherung kann ich nur sagen, dass grundsätzlich die Europäische Krankenkarte ausreichend ist, um vor Ort ärztliche Leistungen zu erhalten. Eine Zusatzversicherung trägt nur im Nachhinein die Kosten für gewisse, von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht gedeckte, Leistungen. Informiert euch auch darüber, ob euer Arbeitgeber nicht evtl. diese Versicherung für euch abschließt.


Da nicht alle Artikel ständig auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft werden können, gibt es hierfür keine Garantie. Solltet ihr über tote Links oder E-Mail Adressen stolpern, bitte kurze Info an uns, dann können diese angepasst oder entfernt werden.
Modus: "Rock my Life!" - ...du bestimmt was du bist...und was du wirst!
Adam Dubielecki
 
Beiträge: 46
Registriert: Di 20. Nov 2007, 13:34
Hochschule: FH Nordakademie in Elmshorn
Auslandssemester in: Cape Town
Auslandssemester an: University of Cape Town

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