Vorwort über Boston:
Boston ist eine der ältesten Städte in New England und liegt direkt an der Küste Massachusetts. In New England ist alles ein bisschen anders, finde ich. Man spührt wenig von Hektik, Eile oder Sorgen. Die Bostonier sind freundlich und hilfsbereit in jeder Beziehung und lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.
Das Tolle an Boston sind die vielen jungen Leute. Sechzig Universitäten mit bekannten Namen wie Harvard oder MIT tragen eine Menge zu dem jungen Flair der Stadt bei. Daneben liegt die City direkt am Meer, ein idyllischer Fluss, der Charles River, schlängelt sich durch den Norden und im Herzen zwischen den gigantischen Wolkenkratzern des Financial Districts und der edlen Einkaufsstrasse Newbury Street befinden sich gleich zwei wunderschön angelegte Parks: Der „Boston Common“ und der „Public Garden“. Dort kann man unter anderem mit den berühmten Swanboats fahren, die Füsse im Becken des Springbrunnens abkühlen oder auf dem extra abgetrennten Feld Baseball spielen.
Alles in allem kommt es einem nie vor, als wenn man in einer Millionenstadt umher läuft. Alles wirkt familiär und sicher, die Kriminalitätsrate in Boston ist eine der geringsten verglichen mit anderen US Metropolen.
Nicht vergessen zu erwähnen darf man im Zusammenhang mit Boston den „Big Dig“, das größte Bauprojekt der Ostküste! Dabei handelt es sich um das Vorhaben, alle Highways in und um Boston durch Tunnel zu ersetzen, um die Innenstadt so gut wie verkehrsfrei zu halten. Dieses Projekt soll 2004 abgeschlossen sein und kostet seit Baubeginn vor einigen Jahren JEDEN Tag eine Million Dollar, was die gute finanzielle Situation mehr als deutlich macht!
Mein Vorgehen
Als aller erstes habe ich mich für die USA entschieden, da ich Amerika für einen der besten Orte der Welt halte, um BWL zu studieren. Danach entschied ich mich für Boston, da diese City eine der größten Studentenansammlungen der Welt ist und ich dort mit Sicherheit ein gutes Umfeld für Studenten erwarten konnte. Anschließend entschied ich mich für Northeastern University (NEU, http://www.neu.edu ), eine der renommiertesten Unis in Boston und der ganzen USA, in Citynähe, groß und international.
Dann kontaktierte ich David Enderlin per Email (d.enderlin@neu.edu) , der Assiociate Director of the International Student Office und schrieb ihm, was ich vorhatte. Er schrieb mir, welche Daten die NEU braucht, um mich für ein „parttime undergraduate nondegree program“ am University College der Northeastern zu bewerben.
Ich schickte meine Daten nach Boston und David schickte mir ein ausgefülltes Formular zurück, das sogenannte I-20, mit dem ich mich dann um ein Studentenvisum bei der US-Botschaft in Berlin bewerben konnte. Vorher lud ich mir auf der Botschaftsseite im Internet die entsprechenden Formulare herunter, legte meinen Reisepass und eine Quittung der Überweisung von 52,- Gebühr dabei und erhielt innerhalb weniger Tage mein F-1 Visum als Stempel in meinem Pass! Dabei ist nicht zu vergessen auch ein Nachweis zu erbringen, dass man über ausreichend Geld bei einer Bank verfügt, um im Ausland die hohen Kosten tragen zu können. Das macht man am besten mit einem Schreiben mit Stempel von seiner Bank, die garantiert, dass man eine bestimmt Summe, ca. 10.000 Euro, zur Verfügung hat.
Mit dem Visum in der Tasche suchte ich mir auf der Seite von Sta-Travel (Studentenseite) einen günstigen Flug und hörte mich im Bekanntenkreis um, ob irgendjemand eine Idee von einer Wohngelegenheit in Boston wüsste, was mich letztendlich zu meiner lieben Gastfamilie in Beverly, ein Bostoner Vorort an der Küste, gebracht hat. Dort habe ich dann für 300,- Dollar im Monat ein Zimmer bezogen. Auch wenn es günstig und nett dort war, ich habe es oft bereut, nicht direkt in Boston zu wohnen, wo man auch schon für 300-400 Dollar, wenn man ein wenig sucht, ein Zimmer in einer WG finden kann.
Ich kann nur jedem empfehlen, so dicht wie möglich an die Uni zu ziehen, um jederzeit leicht hinzukommen, denn dort tobt das Leben!
Als Zahlungsmittel wählte ich ein bisschen Bargeld, Travellers Checks und eine Euro-/Mastercard, was sich als sehr gute Wahl herausstellte. Mit der Kreditkarte kann man so gut wie alles Zahlen und zahlt nur 1% an das Kreditinstitut für den Karteneinsatz im Ausland, was weniger ist als Bargeld am Automaten zu ziehen. Dort zahlt man mindestens 6$ Gebühr, egal wie viel man abhebt.
Die Northeastern University
Die Northeastern University liegt 10 Minuten mit der „T“ von Downtown Boston entfernt, also zentral zum einkaufen, Party machen und im Public Garden herumschlendern. Sie ist eine private Uni, daher sehr teuer und somit findet man dort in der Regel nur relativ wohlhabende Amerikaner, die sich die hohen Studiengebühren leisten können, oder internationalen Studenten, die sich durch Stipendien oder ebenfalls einiges an Kapital finanzieren. Es gibt an der Northeastern University, kurz NEU, viele verschiedene Fakultäten, die von der Nursing School über den Elektroingenieurbereich bis hin zur Business Administration, der Betriebswirtschaft, reichen. Unter anderem gibt es ein extra Office nur für internationale Studenten, was erkennen lässt, dass die Uni diesem Thema einen hohen Stellenwert zukommen lässt.
Ich habe im University College der NEU studiert, eine Einrichtung der Uni mit Abendkursen, wo die selben Kurse angeboten werden, wie im normalen Tagesprogramm der Hochschule. Diese sind allerdings wesentlich günstiger und in der Regel für internationale Studenten oder junge Berufstätige, die sich nach der Arbeit noch weiterbilden wollen, gedacht.
Dort habe ich die Kurse „Marketing Management“, „Professional Selling Skills“, „Human Resources Management“ und „Principals of Finance“ belegt. Die Professoren sind erfahren, haben mehrjährige Berufserfahrung und haben wirklich Spaß am dozieren, was man spürt. Die Kurse gehen von 5.50pm bis 8pm oder von 8.05pm bis 10.15pm am Abend. Bis auf HRM waren alle Kurse sehr interessant. Man schriebt jeweils eine Midterm-Klausur nach 5 Wochen und ein Final nach Ende des Semsters nach 10 Wochen. Die Klausuren und Präsentationen, die man ablegen muss, sind mit einer gewissen Vorbereitung meist mit der besten Note, einem „A-Grade“ abzulegen.
Die Zeit vor meinen Kursen habe ich normaler Weise in der riesigen Library verbracht, die einen Computer-„Saal“, das sogenannte Computer-Lab sowie ein tolles Cyber Cafe mit Laptopanschlüssen und PC`s in sich beherbergt. Gegessen und geklönt wird im großen Curry Student Center, wo es neben Wendy´s, Pizza Hut, einer Sushi Bar etc. auch den Northeastern Bookshop gibt.
In diesem Zentrum isst man normalerweise zusammen mit Hunderten von anderen Studenten sein Frühstück, Mittag und „Dinner“. Das Unigelände ist eingerahmt von zwei „T“-Stationen, so dass man direkt vor der Tür der Uni austeigen kann.
Um den großen aber überschaubaren Campus herum sind überall „Dorms“, die kleinen Appartements der Studenten, die für längere Zeit an der NEU studieren. Man nennt dies „on campus housing“, was Teilzeitstudenten leider nicht zur Verfügung steht. Trotzdem gibt es in der Nähe der Uni unendlich viele Wohnmöglichkeiten.
Die Studiengebühren richten sich nach der Anzahl der belegten Quarter Hours und lag bei mir mit 4 Kursen á 3 Quarter Hours bei zusammen 2650 Dollar, was für die Uni ein Witz gegen die normalen Studiengebühren ist.
Öffentliche Verkehrsmittel in Boston
In Boston fahren eigentlich alle mit der U-Bahn, die in Boston einfach „T“ heißt. Damit kommt man überall hin und in der Regel kommt alle 5 Minuten eine Bahn. Das Zahlungssystem ist dazu noch sehr einfach: Jedes mal, wenn man die UBahn an einer Stelle betritt, schmeißt man eine Münze, den sogenannten „Token“, in einen Münzschlitz vor dem Drehkreuz und kann damit dann fahren, bis man irgendwo die U-Bahn wieder verlässt, ob eine oder 20 Stationen weiter. Ein Token kostet NOCH einen Dollar, mal sehen, wie lange noch. Natürlich kann man sich auch Monatskarten oder Wochenkarten kaufen und dann so oft hin und her fahren, wie man mag. Allerdings sind die T-Stationen meist so dicht beieinander, dass man sich den Token sparen und lieber zu Fuß laufen kann. Busse fahren auch, allerdings sehr unregelmäßig und unzuverlässig. Er kostet nur 0,75 $ pro Fahrt.
Aber da in Boston eigentlich viel zu erlaufen ist und man sich zum Beispiel nach erschöpfendem Shoppen downtown direkt in einen der großen Parks fallen lassen und sonnen kann, braucht man oft gar keine weiteren Transportmittel.
Party in Boston
Die traurige Nachricht ist: In Boston ist um 2h Sperrstunde. Nein, dass ist kein Witz. Um Punkt 2h morgens geht auch in den hochkarätigsten Clubs das Licht an und die Musik aus, und alle reißen sich um die „Cabs“, die Bostoner Taxis, vor der Tür.
Aber die gute Nachricht ist: Bis 2h kann man richtig gut feiern. Es gibt zwei Haupt-Partyzentren, die ich kenne: Zum einen ist da das Gebiet entlang der Commenwealth Ave, besonders an der Kreuzung zur Harvard Avenue. Dort sind viele kleine Bierkneipen, wo man meist keinen Eintritt zahlt, das Bier für Boston unglaublich billig ist ( teilweise nur einen Dollar pro 0,3l) und man auch noch richtig auf der Tanzfläche feiern kann. Dazu gehören zum Beispiel das Kell´s, das Great Scott oder die edle Bar Wonderbar.
Das Gebiet, in welchem mehr die exklusiven Clubs sind, bei denen man sich ohne auf der Gästeliste zu stehen oder den „Bouncer“, Türsteher, zu schmieren, erst mal gaaaanz hinten in der Schlange anstellen kann, befindet sich direkt downtown. In der Boylston Street ( das Pravda) oder Tremont Street ( das Mantra) sowie direkt dort, wo sich die T-Station Park Street befindet. Dort kann ich dienstags besonders das MANTRA empfehlen, ein edlerer Laden, etwas indisch angehaucht, aber auf jeden Fall modern, mit 2 Tanzflächen und dem
tollsten und sogar ausgezeichneten Damenklo von ganz Boston. Denn wenn man auf dem Klo sitzt, kann man durch die Tür sehen, die von außen aussieht wie ein Spiegel und in Ruhe alle reinkommenden Mädels begutachten, die sich vor dir ( dem Spiegel) hin und her drehen.
Das Felt ist gleich um die Ecke und dort ist es schon etwas leichter reinzukommen und genau so lustig. Etwas weiter Richtung Bostons Public Garden befindet sich an der Boylston Street das Pravda, wo man Mittwochs feiert. Am Wochenende sollte man mal ins Theaterdistrikt aufbrechen, wo das edle Privilege und das Roxy zum feiern einladen. Auch hier gilt allerdings: Kontakte besorgen!!!
Preislich kann man ohne Gästeliste oder andere Vergünstigungen schon mal mit $15 -$20,- Eintritt rechnen, oft gibt es aber bis 22h vergünstigen Eintritt (ca. $10,-). Ja, Boston ist nicht wirklich günstig, aber wenn man schon mal da ist...
Reisen in die Umgebung
Boston ist ideal gelegen, um sich rund herum Land und Städte anzusehen. Nur knappe 4 Stunden dauert es und man ist mit dem Bus in New York City!!! Da nimmt man am besten den Chinatown Bus von Boston aus, der von der kleinen Chinatown Bostons direkt in die große Chinatown New Yorks fährt, nur mit einer Pause bei Mc Donalds. Und das für $ 30,- hin und zurück! Auch ein Mietwagen lohnt sich bei mehreren Personen, allerdings ist der unter 25 teurer zu mieten.
Ich war 2 mal im Big Apple und muss sagen: Denkt euch frühzeitig einen Termin aus, wann ihr nach New York wollt, sucht schnell ein Hotel über http://www.hotwire.com und bleibt 2 Tage. Manhattan ist größer, als es auf der Karte aussieht: Ein Metro-Tagespass hilft da sehr beim Fortbewegen, ist allerdings ein Abenteuer! Manche Bahnen, die eingezeichnet sind, fahren wegen Baumaßnahmen oder ähnlichem gar nicht, und sitzt man endlich in der richtigen Bahn in die richtige Richtung, fährt die Bahn nur zwei Stationen, und aus unerfindlichen Gründen muss man aussteigen! Soviel zu meinen Erfahrungen damit!
In der Zeit von ein bis zwei Tagen könnt ihr locker die Statue of Liberty, die Immigranteninsel Ellis Island, das Rockerfeller Center, den Timessquare, Ground Zero, das Empire State Building, die 5th Avenue und das Flair von Greenwich Village erkunden.
Nachts ist in Greenwich Village ein gemütlicher oder verrückter Kneipenabend angesagt und auf dem Timessquare tobt in den Clubs der Bär.
Wer sich so wie ich noch etwas besonderes gönnen möchte, sollte die maximal $150,- (zu spät gebucht!) zusammenkratzen und nach Washington D.C. fliegen. Dort gibt es eine ganz passable Jugendherberge ganz dicht bei Metro Station, wenn man sich nicht scheut, auch mal eine Nacht mit interessanten fremden Menschen in einem Zimmer zu übernachten. Da kann man sich schon für ca. $25,- vom anstrengenden Sightseeing erholen. Und davon gibt´s genug: Die sogenannte Mall umfasst alles, was man so aus dem Fernsehen kennt: Am einen Ende das weiße Capitol mit der charakteristischen Kuppel, auf der anderen Seite zum einen das Weiße Haus, zum anderen das Washington Memorial, was wie eine riesige Nadel aus dem Boden ragt. Dazwischen tausend kleine und große Museen sowie die Washington Library. Hinter dem Washington Memorial liegt nicht zu vergessen der Reflexion Pont, den jeder aus Forrest Gump kennt, friedlich vor dem Lincoln Memorial und gleich neben dem See, der vor dem Jefferson Memorial liegt.
All das kann man bei einem ausgedehnten Sparziergang erkundschaften, und besonders klasse wie ungewöhnlich: JEDES Gebäude darf man kostenlos besichtigen, wenn man vorher beim Visitorcenter eine Karte holt und heil durch die Hochsicherheitskontrollen kommt! An die Präsenz der Polizei überall gewöhnt man sich jedoch schnell, und nachdem man die dritte kleine Flasche Wasser an einer der Security Checks unwiderruflich zurück lassen musste, einigt man sich auf’s durstig sein, statt den elendig teuren Kiosken zum vierten Mal das Geld in den Rachen zu schmeißen. In einem Tag hatten wir die Mall abgelaufen, so dass wir uns zum Einbruch der Dunkelheit in das riesige unglaubliche Shopping Center direkt bei der Metrostation „Pentagon City“ begaben. Da muss man einfach gewesen sein, besonders zur Weihnachtszeit ist dort alles unglaublich toll geschmückt.
Bis 22h ist das Center geöffnet, also toll für ausgiebige Einkäufe nach Einbruch der Dunkelheit. Die Metro, wie die U-Bahn in Washington heißt, ist am günstigsten mit einer Tageskarte für $4,- zu benutzen. Jede Station sieht gleich aus und ist super sauber, in den Bahnen liegt teilweise sogar Teppichboden.
Allerdings ist die Stadt in meinen Augen nicht lebendig, sie lebt von ihren Sehenswürdigkeiten, aber tagsüber ist kaum ein Mensch auf der Straße sondern scheinbar alle in ihren Regierungsgebäuden.
Von Washington aus ist man in 3 Stunden mit dem Greyhound in Philadelphia, auch eine sehenswerte Stadt, wo die Geschichte der Vereinigten Staaten einst begann. Außerdem ist auch dort eine Partyszene etabliert, die für jeden Geschmack etwas bietet.
Von Boston aus ist man in ein paar Stunden auch in den White Mountains, wo man mal einen Skitag einlegen kann, oder man macht eine Tagestour mit dem Mietwagen nach Montreal in Canada, oder fährt zu den Niragara Fällen, oder schaut sich die Halbinsel Cape Cod unterhalb von Boston an, eine Insel der Schwulen, die an Sylt erinnert.
Zusammenfassung
Auch wenn Boston teuer ist, auch, wenn mich diese vier Monate ca. 8.000 Euro gekostet haben, auch, wenn ich jetzt das 5. Semester nachholen muss, ich würde jederzeit wieder diese Zeit in Boston verbringen, eine Stadt, die einem einfach ans Herz wächst mit einer Uni, an der man sich nicht als einer der Masse fühlt, sondern vom International Student Office super betreut.
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